Job und Familie

Wenn Mama arbeitet

Theresa Kirsten (kh) · 09.06.2019

Pixabay.com/janeb13

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70 Prozent der Mütter in Deutschland sind erwerbstätig. 30 Prozent von ihnen arbeiten Vollzeit, 40 Prozent in Teilzeit. Zu diesen Ergebnissen kam die OECD mit ihrer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2017. Im Durchschnitt arbeitet eine deutsche Mutter demnach 20 Stunden pro Woche. Es wird weiterhin aufgeführt, dass die Frau bei Paaren mit Kindern im Schnitt nur 22,6 Prozent zum Familieneinkommen beisteuert. Grundlegend zeigen diese Zahlen, wie stark wir noch immer vom alten Modell eines männlichen Hauptverdieners dominiert werden.

„Mami? Was arbeitest Du denn da heute?“, rätselt mein Sohn beim Anziehen seiner Straßenschuhe. Mama geht jetzt arbeiten. Das hatte ich meinem Sohn am Vorabend gesagt. Dass ich seit 14 Monaten Bewerbungen raus schicke, das ein oder andere Vorstellungsgespräch besuche und hin und wieder schlechte Laune habe, wenn es mal wieder nicht geklappt hat, bekommt er ebenfalls mit. Arbeiten gehen. Das ist für mein Kind etwas negativ besetzt. Wer arbeiten geht, ist nicht da. Wer arbeiten geht, ist für meinen Jungen so weit weg, dass er im Kindergarten kürzlich über einen Verwandten flunkerte, er arbeite in Afrika. Ich erkläre ihm, dass ich ein paar Geschichten schreibe, ein bisschen was am Computer machen werde, mit Internet und so. Der Junge befindet es als eine „coole“ Arbeit und hofft auf einen baldigen Spielsachenregen.

70 Prozent der Mütter in Deutschland sind erwerbstätig. 30 Prozent von ihnen arbeiten Vollzeit, 40 Prozent in Teilzeit. Zu diesen Ergebnissen kam die OECD mit ihrer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2017. Im Durchschnitt arbeitet eine deutsche Mutter demnach 20 Stunden pro Woche. Es wird weiterhin aufgeführt, dass die Frau bei Paaren mit Kindern im Schnitt nur 22,6 Prozent zum Familieneinkommen beisteuert. Grundlegend zeigen diese Zahlen, wie stark wir noch immer vom alten Modell eines männlichen Hauptverdieners dominiert werden.

Die biologische Komponente einer Frau ist ein Stigma, das vor allem für potentielle Chefs mit einer gewissen Unsicherheit verknüpft ist, wenn es darum geht, Mütter kleiner Kinder einzustellen. Wie mache ich es denn richtig? Wenn ich Zuhause bleibe, und meinem Nachwuchs uneingeschränkt zur Verfügung stehe, wie es die verheiratete, finanziell sorglose Mutter aus dem Freundeskreis, stets mit erhobenem
Zeigefinger propagiert? Bin ich dann nicht der „Schmarotzer“, der dem „Staat auf der Tasche liegt“, oder sich in Abhängigkeit von Partner und Verwandtschaft begibt? Frau soll und will alles richtig machen. Sie soll ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten, einer Arbeit nachgehen, eine gute Mutter möchte man sein. Eben das ganze Paket. Gleichzeitig ist das Dauerparken des eigenen Nachwuchses bei Oma, Kita und Co. im nahen Umfeld meist nicht sonderlich angesehen.

Sätze wie: „Oh du gehst schon wieder arbeiten?", „Willst du nicht erst mal was von Zuhause aus machen?“ oder mein persönlicher Favorit: „Also ich konzentriere mich ja erst mal auf die Kinder.“, erzeugen bei mir schnell das Gefühl von Wut.

Diese Meinungen paaren sich dann gern mit Äußerungen wie: „Wenn Dir 25 Arbeitsstunden reichen... Ich könnte davon ja nicht überleben.“ oder „Dann musst Du aber aufpassen, dass Du dir ein soziales Netzwerk aufbaust, wenn mal was ist.“ ….Wenn mal was ist. Die Sorge und das Allwissen des nahen Umfeldes ist groß und vielfältig. Wie gut, dass man immer sein eigener Spezialist ist. Wenn der Mann in Schichten arbeitet, die Woche über auswärts ist, die Großeltern selbst voll berufstätig sind oder man generell allein mit den Kindern ist. Kann man dann überhaupt arbeiten gehen? Was ist zumutbar und welche Möglichkeiten hat man dann als Familie? Wie entscheidend die Frage nach Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben eben ist, weiß man wirklich erst, wenn man Kinder hat. Bis dahin ist es graue Theorie. Denn wie sich die individuellen Gegebenheiten am Ende fügen, ist jeweils vom Kind, vom Partner, Behörden und natürlich von den Arbeitgebern abhängig. Ganz oft wissen Familien zu wenig oder gar nichts von den Möglichkeiten die man als Mutter, Vater, Alleinerziehender oder als Frau mit einem beruflich stark eingespannten Mann hat.

Seit 1990 setzt sich der Verband berufstätiger Mütter für bessere Bedingungen für Familien in der Arbeitswelt ein. Mit dem „VBMDschungelbuch“ finden Eltern einen Leitfaden durch den Urwald aus Gesetzen, Ansprüchen, Steuern und anderen Hindernissen rund um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kann man sich über Familienleistungen, Elterngeld, Kindergeld, Familienpflegezeit und mehr informieren. Mit dem Unternehmensprogramm  „Erfolgsfaktor Familie“ setzt sich das Bundesfamilienministerium zusammen mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft (BDA, DIHK, ZDH) und dem DGB dafür ein, Familienfreundlichkeit zu einem Markenzeichen der deutschen Wirtschaft zu machen.

Unter www.erfolgsfaktor-familie.de finden Interessierte aktuelle Veranstaltungen zu relevanten Themen, grundlegende Aussagen zu einer familienfreundlichen Unternehmenskultur, Hinweise zu Väternetzwerken und Leitfäden, zum Beispiel für mobiles Arbeiten. Auch ein Blick ihn die Mediathek lohnt sich. Ein ganz neues innovatives Projekt der gemeinnützigen GmbH IT-hilft geht anders vor. Gefördert von EU-Mitteln und dem Freistaat Sachsen, wurde hier eine aufwändige App entwickelt, die es hilfebedürftigen Eltern ermöglichen soll, eine schnelle Unterstützung bei der Bewältigung familienrelevanter Themen zu finden.

Kategorien: Kaleidoskop , Job und Familie