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Semper Oberschule – for earth!

Gloria Wintermann · 23.11.2022

Fotos: Adina Schütze

Fotos: Adina Schütze

Tragen die Idee „Klimaschule“: Hana Skarda-Theis, Elke Fiedler, Hartmut von Skrbensky, Hannes Leuteritz (v.l.n.r.)


Die Semper Oberschule Dresden gehört seit Mai 2021 zu einer der nunmehr 29 Klimaschulen in Sachsen. Die kleine, aber feine Oberschule im Herzen der Dresdner Neustadt hat sich auf ihre Fahnen geschrieben das Klimabewusstsein ihrer ca. 250 Schüler:innen zu schärfen und das künftige Schulleben klimagerechter zu gestalten.

Neben der Schülerschaft sind an der Schule in freier Trägerschaft 30 Lehrkräfte, zwei Erzieher/ Sozialarbeiter, eine Praxisberaterin und Servicepersonal aktiv beteiligt, sich in vielfältiger Weise im Schulalltag für den Klimaschutz einzusetzen. Kind+Kegel saß mit Beteiligten aus Lehrer-, Schüler- und Elternschaft zusammen und sprach über die konkrete Umsetzung der Idee „Klimaschule“ und die Zukunftspläne an der Semper Oberschule.

WIE KAMEN SIE AUF DIE IDEE KLIMASCHULE ZU WERDEN?

Hartmut von Skrbensky (Fachlehrer für Gemeinschaftskunde, Wirtschaft, Technik, Haushalt/ Soziales): Das war im Jahr 2020, noch vor der Pandemie. Ich fragte beim Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) nach, welche aktuellen Ausschreibungen und Fördermöglichkeiten es gibt. Das Konzept Klimaschule habe ich sofort als passend für unsere Schule empfunden. Schnell haben wir Kontakt zum Christian Weise Gymnasium Zittau aufgenommen, das zu dem Zeitpunkt schon Klimaschule war.

Elke Fiedler (Schulleiterin und Fachlehrerin für Kunst): Die Zittauer haben uns das Konzept Klimaschule vorgestellt und wir waren gleich Feuer und Flamme. Ich war überrascht, wie einfach es sein sollte, Klimaschule zu werden. Wir hatten schon vor unserer Bewerbung Ideen für einen nachhaltigeren Lebensstil im Schulalltag umgesetzt, bspw. Mülltrennungsanlagen auf jeder Etage. Das war ein schöner Anfang.

WIE WAR DER WEG VON DER IDEE ZUR BEWERBUNG? GAB ES HÜRDEN?

Hartmut von Skrbensky: Während des ersten Lockdowns wollten wir die Idee konkretisieren und ich startete eine Befragung unserer Schüler:innen, was sie sich vorstellen könnten, an unserer Schule für den Klimaschutz zu tun. Das Thema stieß bei der Schülerschaft auf großes Interesse und rege Beteiligung. Ich bekam 160 Rückmeldungen mit konkreten Vorschlägen. Von Heizkosten sparen über Insektenhotels, Bienenstöcke und Hochbeete anlegen haben die Schüler:innen nur so vor Ideen gesprudelt. Das war nützlich für unsere Bewerbung, denn möglichst alle Bereiche des schulischen Wirkens sollen vom Gedanken des Klimaschutzes durchdrungen werden. Die Idee, Klimaschule werden zu wollen, wurde auf der Schulkonferenz von allen Beteiligten beschlossen. Wir haben dann eine Projektskizze verfasst, die wir zusammen mit dem Beschluss der Schulkonferenz beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eingereicht haben. .

Elke Fiedler: Die Hürden waren niedrig, das Bewerbungsprozedere unbürokratisch. Wir sind schnell in die nächste Runde gekommen, haben ein Klimaschulteam gegründet und einen detaillierten Klimaschulplan entworfen. Den Titel „Klimaschule“ dürfen wir nun insgesamt fünf Jahre führen. Wir erhalten pro Jahr eine fixe Summe von 1000 € und sind berechtigt für unsere geplanten Maßnahmen zusätzlich variable finanzielle Mittel zu beantragen.

WELCHE PROJEKTE KONNTEN SIE BISHER UMSETZEN, UM DIE SCHÜLER:INNEN FÜR EINEN NACHHALTIGEREN, KLIMAFREUNDLICHEREN LEBENSSTIL ZU SENSIBILISIEREN?

Hannes Leuteritz (16 Jahre, Leiter der Arbeitsgruppe Klimaschule): Da ist einiges passiert. Bspw. haben wir uns an der Regiowoche Sachsen 2022 beteiligt. Unter dem Motto „Iss, was hier wächst!“ haben wir die Herkunft unserer Nahrungsmittel mal genauer unter die Lupe genommen, sind gemeinsam einkaufen gegangen, haben Preise verglichen und versucht, uns so regional wie möglich zu ernähren. Das war gar nicht so einfach. Die Klima-AG hat sich zum Ziel gesetzt, die Außenanlagen zu begrünen und sich von einer Fachkraft zum Thema Solarmodulinstallation im Außenbereich beraten zu lassen. Wir beteiligen uns an Baumpflanzaktionen, haben im Sommer Unterricht in unserem grünen Klassenzimmer auf dem Schulhof, bauen Nistkästen, bepflanzen unsere eigenen Hochbeete. Außerdem haben wir unser Energieeinsparpotential für Heizung, Licht, Warmwasserverbrauch etc. mal näher beleuchtet. Jetzt haben wir Bewegungsmelder angebracht, die uns dabei helfen, Strom zu sparen. Als nächstes steht eine Altpapiersammlung zusammen mit der Nachbarschaft der Schule an.

WIE WIRD DER KLIMASCHUTZGEDANKE AUCH IN DEN ALLTAG DER KINDER GETRAGEN?

Hana Skarda-Theis (Vorsitzende des Schulfördervereins und Mutter einer Schülerin der 8. Klasse): Ich empfinde es als ein gutes Zusammenspiel zwischen Schule und zu Hause. Die meisten Kinder kommen aus Elternhäusern, wo Klimaschutz ohnehin groß geschrieben wird. Viele Kinder sind bereits sehr achtsam, trennen Müll richtig, versuchen, Energie einzusparen, bspw. machen sie Licht nur dort an, wo es gebraucht wird, kommen mit dem Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmittel oder zu Fuß zur Schule. Vorallem jüngere Kinder sind da sehr offen und wissbegierig, wollen helfen, damit unsere Erde erhalten bleibt.

WELCHE ZUKUNFTSVISIONEN HABEN SIE FÜR IHRE SCHULE?

Elke Fiedler: Unsere Schule befindet sich in alten, ehrwürdigen Gemäuern. Energietechnisch gibt es hier großen Sanierungsbedarf. Wir planen, uns mit dem Schulträger zusammenzusetzen und jedes Klassenzimmer zu prüfen, ob es Einsparmöglichkeiten bei der Wahl der richtigen Leuchtmittel, Heizkörper und Fensterabdichtungen gibt.

Hartmut von Skrbensky: Unsere große Vision ist, irgendwann über eine Klimaküche zu verfügen, um Speisen nachhaltig zubereiten zu können. Hier wollen wir in Zukunft die Zusammenarbeit mit der Technischen Universität noch weiter ausbauen.

ICH FINDE ES BEMERKENSWERT, WIE SIE VERSUCHEN, DIE SCHÜLER:INNEN FÜR DEN KLIMASCHUTZ ZU BEGEISTERN. WAS WÜRDEN SIE ANDEREN POTENTIELLEN KLIMASCHULEN MIT AUF DEN WEG GEBEN?

Hana Skarda-Theis: Wichtig ist das Engagement von allen Beteiligten. Vieles stellen wir ehrenamtlich auf die Beine. Aber nur gemeinsam macht das auch Spaß. Wir tauschen uns regelmäßig mit Vertretern anderer Klimaschulen aus. Und wir überlegen, wie unsere Ideen von jedem Einzelnen mitgetragen werden. Da braucht es in Zukunft auch Anreizsysteme bspw. die Klasse mit dem geringsten CO2-Abdruck wird ausgezeichnet.

Mit der Titelverleihung „Klimaschule“ bekam die Semper Oberschule ein umfangreiches Set an Experimentierkästen, die den Praxisanteil im Unterricht unterstützen.

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