Stadtgespräch

Kommt zum Steinzeit-Erlebnistag in Altnickern

Adina Schütze (as) · 22.07.2019

Dresdens Geschichte birgt Unglaubliches! Beim Steinzeit-Erlebnistag in Altnickern werden die Ursprünge Europas lebendig.

Dresden war Zentrum der ersten europäischen Hochkultur“ titelte die Berliner Zeitung. „Die älteste Hochkultur Europas liegt mitten in Sachsen begraben. Der Haupttempel jener Kultur (vor 7 000 Jahren) befand sich unter dem Stadtgebiet des heutigen Dresdens“ schrieb der englische „Independent“. Der Wirbel war groß, als die Öffentlichkeit 2005 auf sensationelle archäologische Funde in Dresden-Nickern aufmerksam wurde. Was war der Anlass? Bei Bauarbeiten war man auf mehrere neolithische Kreisgrabenanlagen sowie auf die sie umgebenden jungsteinzeitlichen Siedlungen gestoßen.



„Neolithische Kreisgrabenanlagen sind die ersten Monumentalbauten der menschlichen Zivilisation in Europa. Von der Wissenschaft wird ihnen ein multifunktionaler Charakter, sowohl sakral als auch profan, zugesprochen. Über die genaue Funktion kann man allerdings nur spekulieren“, erklärt Hobby-Historiker Steffen Bösnecker. Der Fliesenlegermeister ist Mitglied im Heimatverein Prohlis e. V. Er setzt sich mit Leidenschaft und profunder Sachkunde dafür ein, dass die Wahrnehmung der Nickerner Anlage in der Öffentlichkeit steigt. „Jeder kennt die ägyptischen Pyramiden oder Stonehenge in England, wer weiß um die Kreisgrabenanlagen von Nickern? Dabei sind eben diese jungsteinzeitlichen Monumentalbauten 2 000 Jahre älter als die Pyramiden und Stonehenge. Jungsteinzeitliche Kreisgrabenanlagen (ca. 4 800 bis 4 600 v. Chr.) sind ein europaweites Phänomen, über 160 Anlagen wurden bisher verortet – ein-, zwei-, drei- und vierfache Anlagen, die sehr selten sind. Eine Ballung von gleich vier Anlagen unterschiedlicher Größe auf engstem Raum existiert bisher in Europa nur zweimal: auf einem Feld nördlich von Leipzig und hier im Elbtal in Dresden-Nickern.“

Bis zu den Funden in Nickern hatte niemand eine Blüte der Steinzeit in Dresden vermutet. „Wenn Dresden vor 7 000 Jahren eine europäische Kulturhauptstadt war, warum sollte sie es 2025 nicht noch einmal werden?“ Der Heimatverein Prohlis e. V. hat sich mit dem Wissen über das Elbflorenz in der Steinzeit für das Projekt „Orte des Miteinanders“ des Kulturhauptstadtbüros Dresden 2025 beworben. „Ich denke, unsere  Bewerbung um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt ist der ideale Anlass, die geschichtliche Entwicklung unseres Siedlungsraumes, der Elbtalweitung bei Dresden, in seiner gesamten Komplexität darzustellen. Da die Zahl der Mitbewerber sehr hoch ist, sollten wir auch auf Phänomene eingehen, welche so kein anderer Standort in Deutschland oder Europa vorzuweisen hat“, sagt Bösnecker. Die Beteiligung an der Bewerbungsphase lag also auf der Hand.

Der Steinzeit-Erlebnistag in Altnickern am 24. August bildet die Auftaktveranstaltung der „Orte des Miteinanders“. Die Besucher können von 12 bis 22 Uhr in die Urgeschichte des Dresdner Elbtals eintauchen. Am Ort der jungsteinzeitlichen Kreisgrabenanlage DD-02 geht es auf  Beutejagd mit Speer, Pfeil und Bogen, werden Palisaden gebaut, urzeitlich Feuer gemacht oder Keramik getöpfert. Kulinarisch gibt es neben dem „neolithischen Frühstücksbrei“ natürlich weitere Köstlichkeiten. Höhepunkte sind neben dem großen Lagerfeuer die Premiere des „Nickerner Kreistanzes“, der von den Tänzen der Massai inspiriert wurde. Einblicke in die Thematik gibt eine multimediale Ausstellung.

Wann? 24, August 2019, 12 - 22 Uhr
Wo? Gelände an der Bushaltestelle Altnickern, Linie 88.

Der Eintritt ist frei.

Kategorien: Kaleidoskop , Stadtgespräch