Stadtgespräch

Große Kunst ganz kleiner Leute

Adina Schütze (as) · 04.07.2019

Foto: Tim

Foto: Tim

„Werden wir jetzt berühmt?“ Die Augen strahlten, als die Kids der Kita Fidelio-F.-Finke-Straße erfuhren, dass ihre Bilder in den Technischen Sammlungen, in einem richtigen Museum mit Galerie, ausgestellt werden.

„Ob die Kinder berühmt werden, konnte ich ihnen nicht versprechen. Aber ich konnte ihnen das Gefühl geben, etwas Bedeutendes gemacht zu haben,“ schwärmt Birgit Ittershagen-Hammer. Die Dresdner Fotografin hat mit den 3- bis 6-jährigen Kindern ein Fotoprojekt initiiert. „Das kriegen die schon hin. Die Kleinen lernen von den Großen.“ Kita-Leiterin Regina Kupietz zerstreute die Bedenken, ob die Allerkleinsten schon teilnehmen könnten. Alle Kinder, ohne Ausnahme, sollten die Chance haben, dabei zu sein. Im Ganzen 90 Kids. „Eine Mammutaufgabe“, erzählt die Fotografin. Aber durch die enge Zusammenarbeit mit der Kita klappte das reibungslos. Die Kinder wurden in Gruppen zu je 12 Kindern – altersgemischt – eingeteilt, jeder bekam eine einfache Kamera in die Hand und los ging es. „Ich gab dem Rundgang, den ich vorher sorgfältig gewählt hatte, das Motto ‚Kinder entdecken Loschwitz‘. Natürlich waren nicht alle Kinder von Beginn an überzeugt, ob ihnen das Spaß machen würde. Das hat sich aber schnell geändert.“ Zu sehen war  Bekanntes und Unbekanntes. „Erstaunlicherweise wurde das Blaue Wunder sehr selten fotografiert.


Foto: Natinka

Aber der Müll an den Elbwiesen, Pflanzen, das unmittelbare Gegenüber und die eigenen Füße waren vielfach interessanter. Von 15 bis zu sagenhaften 220 Bildern machte jedes der Kinder auf dem Rundgang“, sagt Ittershagen-Hammer. Den Auslöser finden und richtig benutzen erlernten alle Kinder in rasender Geschwindigkeit. Zu Bruch ging keine Kamera. Das Ergebnis hat die Künstlerin überrascht. „Zum Einen war ich überwältigt, was die Kinder in ihrem Umfeld entdeckten und welchen Blick sie auf die Dinge hatten. Da sind wirklich Talente dabei. Zum Anderen hat mir das ganze Projekt gezeigt, mit welch einfachen Mitteln auch Kinder aus der Reserve zu locken sind, zu denen die Erzieher sonst nicht so leicht Zugang finden. Sie haben gelernt, dass es andere Formen gibt, sich auszudrücken, als Sprache. Mann kann also auch etwas schaffen, wenn man schüchtern ist und nicht viel reden mag oder kann. Gern hätte ich einige Kinder weiter begleitet“, resümiert Ittershagen-Hammer.

Davor stand jede Menge Arbeit. Die Künstlerin hat tatsächlich jedes Bild der 90 Teilnehmer gesichtet, 5–10 Bilder pro Kind vorsortiert und es den Kindern dann überlassen, einen persönlichen Favoriten zu wählen, natürlich verbunden mit einer kleinen Begründung. Diese 90 Besten werden nun in einer Ausstellung in den Technischen Sammlungen zu sehen sein. Im Rahmen der Vernissage haben die Besucher Gelegenheit zu sehen, was man mit den Fotos spielerisch alles machen kann. Aber wir wollen noch nichts verraten. Das Kunstprojekt entstand im Rahmen des Programms „KuBiK“ der Landeshauptstadt Dresden. Mit dem Ziel, allen Kindern – stadtweit – kostenlos Zugang zu kultureller Bildung zu ermöglichen startete KuBiK in Dresden 2011 als Förderprogramm „Kulturelle Bildung in Kindertageseinrichtungen“. Es fördert das Entstehen gemeinsamer Projekte und damit Partnerschaften zwischen Kindertageseinrichtungen, Kultureinrichtungen und freien Künstlern. Kinder sollen dabei lernen, dass sie nicht nur Rezipienten sind, sondern auch kreativ etwas schaffen können. Das ist eine wichtige Baustelle im 21. Jahrhundert.


Foto: Diego

Außerdem bietet die Kunst, neben dem Spielen, wichtige Impulse für Kinder und gibt ihnen ganz neue Möglichkeiten, sich auszudrücken. Derzeit ist Birgit Ittershagen-Hammer im Rahmen des KuBiK-Projekts mit Hortkindern der 75. Grundschule unterwegs. Ein drittes Projekt mit einer 4. Klasse ist im Aufbau.

Kategorien: Dresden NEWS , Stadtgespräch