Schule und Bildung

Wo steht Sachsen beim Thema "Digitalisierung der Schulen"?

Adina Schütze · 13.10.2020

Die digitale Kompetenz wird als eine Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts im Bereich der schulischen Bildung angesehen. Das sächsische Kultusministerium hat sich daher u.a. auf die „Ausschöpfung des Potenzials digitaler Medien für das Lehren und Lernen“ konzentriert. Es sollen die digitalen Kompetenzen von Lehrenden und Lernenden auf allen Bildungsebenen erweitert werden. Im Rahmen des Digitalpaktes 1 hat der Freistaat Sachsen ein umfassendes Förderpaket von ca. 250 Mio € vom Bund erhalten. Von diesem Geld sind bereits 227 Mio € in Sachsen bewilligt worden. Die Redaktion des Familienmagazins Kind+Kegel konnte im persönlichen Interview mit Kultusminister Christian Piwarz Fragen aus Sicht der Eltern zum aktuellen Stand des Digitalpakts, dessen Zielen und Umsetzung stellen.

Herr Piwarz, was verstehen Sie unter dem Begriff „digitales Lernen“?

Es geht um die Implementierung digitaler Lerninhalte. D.h. Unterrichtsstoff mit Hilfe moderner Medien und digitaler Lernmittel in den schulischen Alltag zu integrieren. Hier geht es nicht nur um den Präsenzunterricht, sondern – das haben wir u.a. durch Corona gelernt – auch darum, Schülern und Lehrern Hilfsmittel an die Hand zu geben, damit sie am PC oder Tablet selbstständig lernen und lehren können. Unverzichtbar bleibt dabei das unmittelbare Feedback vom Lehrer an den Schüler. Digitales Lehren und Lernen ist ein ganzheitlicher Begriff. Damit ist aber nicht gemeint, den Präsenzunterricht einfach 1zu1 digital zu übertragen. Dies würde den Möglichkeiten, die sich uns durch digitale Medien bieten, überhaupt nicht gerecht werden. Wir müssen digitale Angebote im schulischen Alltag sinnvoll unterbringen. Denn digitales Lernen kann den Präsenzunterricht nicht einfach ersetzen. Der direkte Kontakt des Lehrers mit seinen Schülern ist entscheidend für den Schulerfolg.

Viele Schulen stehen scheinbar noch ganz am Anfang der digitalen Entwicklung. Auch die Skepsis gegenüber digitalem Lernen bei Lehrern und evtl. auch Eltern ist sehr hoch. Wie gehen Sie damit um?

Im letzten Schuljahr sind die neuen Lehrpläne an den Start gegangen. Medienbildung und Digitalisierung sind darin stärker und fächerübergreifend verankert. Schon da wird den einzelnen Lehren deutlich, wie wichtig das Thema ist. Es gehört heute zum Lehrerberuf ganz selbstverständlich dazu, z. B. eine E-Mailadresse zu haben, ansprechbar zu sein und Rückkopplungsmöglichkeiten zu geben, auch wenn man nicht im Klassenraum beieinander ist. Natürlich ist das ein Quantensprung im Lehrersein – besonders für die ältere Generation. Bei den nachfolgenden Generationen ist das digitales Lernen bereits Teil ihrer Ausbildung und der Lebenswirklichkeit. Wir bieten gezielt Fortbildungen zum digitalen Unterrichten an. Durch Corona haben wir den Katalog an Fortbildungsmöglichkeiten noch einmal deutlich erweitert. Wir wollen auch Pädagogen, die hier ganz am Anfang stehen, niederschwellig an digitale Medien heranführen. Corona hat auch den Lehrern gezeigt, dass die Digitalisierung nicht nur zusätzliche Arbeit für sie bedeutet, sondern auch einen Nutzen, was zum Beispiel Arbeitsorganisation betrifft, hat. Gerade an weiterführenden Schulen, wo es darum geht, die Schüler im eigenständigen Lernen zu bestärken, kann die Digitalisierung enorme Hilfe leisten. Aber wir müssen realistisch sein. Es wird und muss auch nicht gelingen, die gesamte Lehrerschaft digital fit zu machen. Ich denke, es sollte eine gesunde Mischung geben, die Raum lässt für verschiedene digitale Kompetenzgrade.

Bevor die Schulen mit digitalen Endgeräten mit Mitteln aus dem Digitalpakt Schule ausgestattet werden können, mussten sie ein medienpädagogisches Konzept entwickeln, d.h. für sich definieren, wie Geräte und Software sinnvoll integriert werden können. Wie stellen Sie sicher, dass die Schulen diese Konzepte nun auch umsetzen und weiterentwickeln können?

Die Fachleute in unseren medienpädagogischen Zentren, die es in allen zehn Landkreisen und den drei kreisfreien Städten gibt, stehen den Schulen beratend zur Seite. Auch unsere Mediendatenbank MeSax haben wir inhaltlich erweitert. Tutorials, Videos und vieles mehr stellen wir dort zur Unterstützung zur Verfügung. Auch bei Fragen der Unterhaltung, dem Support und der Administration von Geräten lassen wir die Schulträger nicht allein.

Über welche Zeiträume sprechen wir beim Prozess der Digitalisierung?

Die Ausstattung der Schulen, wird die nächsten zwei, drei Jahre in Anspruch nehmen. Zu denken, mit diesem Schritt der Digitalisierung sind alle Ziele erreicht, ist unrealistisch. Wir sprechen hier über einen fortwährenden Prozess, der nie abgeschlossen sein kann. Die Digitalisierung soll eine Säule sein, Lerninhalte zu vermitteln. Es geht nicht darum, auf klassische Unterrichtsmittel zu verzichten. Wir bauen an einem System, was für Lehrer und für Schüler wechselseitig funktioniert. Wir werden immer Schritt halten und daran arbeiten müssen. Corona hat dabei eindeutig den Druck erhöht. Deshalb ist jetzt Schritt eins, die Grundausstattung der Schulen zügig voranzubringen. Beim Breitbandausbau hoffen wir 2025 durch zu sein. Wir müssen jetzt schauen, dass wir mögliche Phasen des Distanzunterrichts gut bewältigen können. Da kommt es entscheidend darauf an, dass Schüler und Lehrer in unmittelbaren Kontakt treten können. Und das fängt schon bei der E-Mailadresse an. Alles andere muss sich über Jahre Stück für Stück entwickeln.

Wird es in Sachsen zentrale Lernplattformen geben oder sind die Schulen völlig frei in der Wahl ihrer Software?

In Sachsen haben wir uns schon vor einigen Jahren für zentrale Plattformen entschieden. Das ist zum einen ‚LernSax‘, zum anderen ‚OpalSchule‘, das vor allem von Berufsschulen genutzt wird. Wir empfehlen den Schulen, sich darauf zu konzentrieren. Wir verwehren es ihnen aber nicht, andere Systeme zu nutzen. Bei LernSax hat sich die Zahl der angemeldeten Schulen in den letzten Monaten verdreifacht, sodass wir fast von einer flächendeckenden Versorgung sprechen können. Wir haben deshalb die Kapazitäten von LernSax deutlich ausgebaut, arbeiten an der Verbesserung der Anwenderfreundlichkeit und wollen ein neues Videokonferenztool integrieren, das in Klassenstärke funktioniert. Mit einem Anbieter für Lern-Tutorials haben wir gerade einen Vertrag abgeschlossen, um den Schulen schnelle Hilfe anbieten zu können, wenn es kurzfristig durch Quarantänemaßnahmen zum Distanzunterricht kommt. . Natürlich ist dabei der Punkt ‚Datenschutz‘ entscheidend. Nun geht es darum, genügend Fortbildungen anzubieten, um den Schulen diese beiden Plattformen näherzubringen. Auch die Eltern sollen einen eigenen Zugang bekommen. Das macht das System Schule transparenter und jeder hat seine Informationsmöglichkeiten.

Wie stellen Sie sicher, dass das System digitale Schule auch zu Hause funktioniert?

Im Rahmen des Digitalpakt 2 haben wir nochmals Mittel zur Verfügung, Schulen mit digitalen Endgeräten auszustatten, die sie dann gegebenenfalls
an Schüler verleihen können. Wer diese Unterstützung erhält, sollen die Schulen ganz individuell entscheiden. Perspektivisch sollte jeder Schüler, zumindest im schulischen Alltag, ein Gerät zur Verfügung haben. Bei über 400 000 Schülern in Sachsen sind das große Summen, die da bewegt werden müssen, denn man muss auch bedenken, wann Geräte wieder erneuert werden müssen. In diesem Zusammenhang gibt es auch Diskussionen über das Konzept bring-your-own-device (Kinder, werden mit privaten Geräten ausgestattet, Anm. der Redaktion). Natürlich geht es auch um den Breitbandausbau in Sachsen, um den wir uns
kümmern müssen. Damit alle Schüler die Chance haben, digitale Inhalte zu Hause zu nutzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Redaktion des Familienmagazins Kind+Kegel für ganz Sachsen wird in den kommenden Ausgaben weiterhin den digitalen Weg der Bildungseinrichtungen in Sachsen interessiert verfolgen und über die medienpädagogischen Entwicklungsschritte vom Ausbau der Infrastruktur bis hin zur Umsetzung der Lerninhalte berichten.

www.schule.sachsen.de

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