Schule und Bildung

Wie lernen Kinder am besten?

Pia Schrell · 07.06.2022

Man lernt nie aus, so viel steht fest: In der Schule, im Alltag, auf dem Spielplatz – überall gibt es etwas zu entdecken. Das gilt schon für ganz kleine Kinder, aber auch für die Grundschule und das weitere Leben. Doch wie lernen eigentlich bereits die Kleinsten am besten? Braucht es bestimmte Lernformen, ist spielerisches Lernen der Schlüssel zum Erfolg und was ist mit Regeln und Vorgaben? Fragen über Fragen. Kind+Kegel hat dazu mit Prof. Anke Langner gesprochen. Die Wissenschaftlerin arbeitet an der TU Dresden und hat dort die Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Inklusive Bildung inne. Zudem initiierte sie das Projekt der Universitätsschule Dresden, bei der es um gemeinsames Lernen und neue Wege geht.

Frau Prof. Langner, die wichtigste Frage direkt am Anfang: Wie lernen Kinder denn nun am besten?

Kinder lernen am besten, wenn sie nicht das Gefühl haben, sie müssen jetzt lernen, sondern vielmehr eine eigene Frage beantworten wollen. Man nennt das entdeckendes oder spielerisches Lernen. Im Rahmen von Schule sollte dies durch eine Art forschendes Lernen abgelöst werden. Das Wichtige dabei ist: Kinder werden dabei selbst aktiv. Sie versuchen ihre Fragen an die Welt zu erklären und darüber eignen sie sich immer neues Wissen an. Denn Kinder sind neugierig und erst Schule lässt diese Neugierde minimieren – bis hin zur Entwicklung eines Desinteresses für die Umgebung. Das ist dann allerdings das Ergebnis von schlechten Lernangeboten und liegt nicht im Kind selbst. Je nach Alter sollten Kinder immer mit allen Sinnen lernen können, denn sie müssen etwas im wahrsten Sinne des Worte begreifen. Möglichkeiten, bei denen gebaut, nachgebildet oder hergestellt werden kann, sind für Kinder und ihren Lernprozess ideal. Denn wir wissen heute, dass reine Kognition häufig nicht ausreicht, um die Welt zu verstehen und vor allem um Wissen zu verinnerlichen. Kinder sollten immer stärker in die Verantwortung für den eigenen Lernprozess genommen werden.

Was brauchen Kinder also konkret, um neues Wissen zu erlangen?

Kinder müssen wissen, wie sie ihre Fragen beantworten können und welcher Methoden sie sich dazu bedienen können, um Antworten zu finden. Je nach Alter können die Methoden ganz unterschiedlich sein: Die Kids können zum Beispiel lesen und recherchieren, sie können selbst Dinge erproben, experimentieren oder sie können andere befragen und spannende Interviews führen. Sie können aber auch etwas skizzieren und entwickeln. Dies gilt es in der Schule strukturiert und über das Spielerische hinaus zu erlernen.

Sind dabei alle Kinder gleich oder gibt es Unterschiede?

Kein Kind ist dem anderen Kind gleich, gleiches gilt auch für die Entwicklung. Es ist wichtig zu wissen, dass Entwicklung nicht vorhersagbar ist, sondern im Gegenteil, von Krisen in der Entwicklung lebt. Dabei bedeuten Krisen wissenschaftlich betrachtet Umorganisationsprozesse im menschlichen Gehirn und sind meist dadurch gekennzeichnet, dass der Einzelne mit sich und seiner Umgebung nicht gut klarkommt. Entwicklung ist etwas sehr Individuelles und braucht immer positiven Zuspruch und den festen Glauben, dass jede Krise auch zu Ende geht. Dass eigentlich jede Entwicklung und alle Lernprozesse unterschiedlich verlaufen, fordert Pädagogik natürlich heraus. Es gibt keine einzig richtige Lösung für das Lernen. Dabei gilt: Je stärker Schüler:innen das Lernen selbst beherrschen und Verantwortung übernehmen, desto besser kann pädagogisch diese Differenzierung über das selbstregulierte Lernen ermöglicht werden.

Es gibt also nicht die eine richtige Lösung für das Lernen, verstanden. Aber gibt es Rahmenbedingungen, die beim Lernen helfen können?

Damit sich Kinder gut entwickeln, bedarf es Menschen, die an das Kind glauben, die es wertschätzen und sein Tun anerkennen. Das Kind soll gefordert, aber nicht überfordert werden und es sollte auch nicht unnötig unter Druck gesetzt werden. Strukturierte Umgebungen helfen dabei, in strukturierte Handlungen zu kommen. Lernumgebungen müssen nicht bunt und verspielt sein. Sie sollten dem Kind eher Klarheit vermitteln, zudem braucht es pädagogische Prozesse, die eben diese Klarheit unterstützen. So können Regeln und Rituale für ein gemeinsames Lernen der Kinder geschaffen werden, denn der Mensch kann nicht gut alleine lernen. Wir sind alle soziale Wesen und alles, was wir im Dialog erfahren haben, können wir auch gut in unserem Gehirn abspeichern. Noch besser klappt es, wenn das neue Wissen mit positiven Emotionen verbunden ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

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