Schule und Bildung

Nachgefragt bei…..

Kathleen Hänel · 10.11.2020

Nele Liebold, Maschinenbaustudentin an der TU Dresden

Nele Liebold, Maschinenbaustudentin an der TU Dresden

Frauen in den Ingenieurswissenschaften? Na logo! Auch wenn es in der klassischen Männerdomäne noch jede Menge Vorurteile gegenüber Frauen in technischen Berufen gibt, immer mehr Studentinnen steigen genau dort ein. Eine davon ist Nele Liebold, die beim Projekt tryING dabei war nd jetzt erfolgreich Maschinenbau an der TU Dresden studiert. Wir haben Nele für ein Interview getroffen.

Nele, was studierst du und wie lange schon?

Ich studiere Maschinenbau seit 2018 und bin jetzt im 5.Semester. Ich vertiefe das Studium nun in Richtung Produktionstechnik.

Was hat dich dazu bewogen, diese Fachrichtung zu studieren?

In der Oberstufe hatte mich Mathematik am meisten fasziniert und ich war deshalb auch im Leistungskurs Mathematik und Geschichte. Mein Interesse ging dann aber doch eher Richtung Mathematik und Naturwissenschaften und ich wollte Mathe mit etwas Technischem verknüpfen. Da war das Studium Maschinenbau am naheliegendsten.

Was sind denn so ganz grob die Inhalte vom Maschinenbaustudium?

Oh... (lacht)… im Grundstudium sind es erstmal die Grundlagen Mathematik, Naturwissenschaften und der Technik – also was habe ich da für Vorschriften, wenn ich etwas konstruiere zum Beispiel. Jetzt bei mir in der Vertiefung Produktionstechnik geht es um Fertigungsverfahren, Logistik und Arbeitswissenschaften.

Mit wie vielen anderen Frauen studierst du zusammen?

Ich würde schätzen, dass der Anteil von Frauen bei ungefähr 10 % liegt, aber ich weiß nicht wie es jetzt in meiner Vertiefung wird. Ich vermute, dass es da weniger Frauen werden. Angefangen haben ungefähr 650 Studenten, mittlerweile sind es noch so circa 350 Studierende. Davon sind so 30-35 Frauen.

Das sind ja doch relativ wenige Frauen in deinem Studium, wenn man gegenüberstellt, dass die anderen 90% männliche Studierende sind. Warum entscheiden sich deiner Meinung nach so wenige junge Frauen für ein Ingenieursstudium?

Ich glaube, das geht schon mit der Wahl der Leistungskurse in der Schule los. Da sind schon deutlich weniger Mädchen im Mathematik-Leistungskurs, welcher für die spätere Berufswahl oft schon entscheidend ist. Und dann sind es vor allem Vorurteile: Frauen werden im Maschinenwesen nicht so gesehen. Auch ich wurde gefragt: Was, als Frau im Maschinenbau?! Meine Antwort war dann meist: Ja, warum nicht? Ich habe daran einfach Spaß. Trotzdem ist man mit Vorurteilen konfrontiert.

Von wem hast du denn diese Vorurteile gehört?

Ich denke, am überraschtesten über meine Entscheidung für Maschinenbau in meinem Umfeld war mein Vater, was sicher ein bisschen daran liegt, dass er selbst in diese Richtung studiert hat, aber in dem Bereich nicht mehr arbeitet. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass ich ein Mädchen bin, aber er hatte da die größten Zweifel dran. Und sonst waren auch noch Zweifel im Schulumfeld zu spüren – die Lehrer waren dann sehr überrascht, dass ich als Frau Maschinenbau studieren möchte. Aber mit Beginn des Studiums wurde das weniger.

Kannst du dich daran erinnern, welche Zweifel dein Vater konkret geäußert hat? Was waren die Aussagen?

Ich glaube der größte Zweifel war, ob mein Interesse daran wirklich da ist. Und bei den anderen liegen die Zweifel oft daran, dass Maschinenbau sehr von dem Bild geprägt ist, dass man da Autos oder ähnliches konstruiert. Viele können sich unter Maschinenbau nichts vorstellen.

Aber sag mal Nele, welche positiven Einflüsse bringst du als Frau denn in ein so männerdominiertes Studienfach mit ein?

Ich glaube ich kann – am Beispiel von mir selber – dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.

Was glaubst du, was der Vorteil wäre, wenn sich mehr junge Frauen dafür entscheiden würden, in einem der MINT-Berufsfelder zu arbeiten?

Ich denke, dass sich Firmen genau darauf dann ausrichten müssten. Viele Betriebe sind noch relativ familienunfreundlich und es werden eher Männer statt Frauen eingestellt. Ich selbst habe in einer Firma Praktikum gemacht und konnte in die Bereiche Produktion, Fertigung und Konstruktion einblicken. In dieser Firma gab es nur 3 Frauen – und dass in den Bereichen Buchhaltung und Sachbearbeitung. Da gab es zum Beispiel keine eigene Umkleide für Frauen und bis zur Damentoilette hatte ich einen weiten Weg. Ansonsten bekam ich aber viele coole, anerkennende Rückmeldungen von den männlichen Kollegen.

Das scheint also wirklich ein Berufsfeld zu sein, was noch immer von Grund auf für Männer ausgelegt ist und scheinbar ist es auch eine noch recht neue Entwicklung, dass sich immer mehr Frauen für dieses Studium begeistern.

Genau, ich kann mir auch vorstellen, dass es ein Schritt in die richtige Richtung wäre, dass auch mehr Frauen in Handwerksberufe gehen.

Was rätst du jungen Frauen, die sich für einen technischen Beruf oder ein Ingenieursstudium interessieren?

TryING mitzumachen! Definitiv, weil das wirklich cool war und wir in viele Bereich reinschauen konnten, die nicht nur in Richtung Maschinenbau gehen, auch in Richtung Informatik. Und man konnte gut den Unialltag kennenlernen. Ich habe darüber auch andere Mädchen kennengelernt, die das gleiche wie ich studieren wollten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr zum Projekt tryING erfahrt ihr hier.

Kategorien: Schule und Bildung , Kaleidoskop