Schule und Bildung

Grün macht Schule

Gloria Wintermann · 25.10.2023

Wenn man seinen Blick über den großen, begrünten Schulhof schweifen lässt, kann man in Natur pur eintauchen. Schüler:innen und Lehrer:innen der Schule am Neptunweg im Leipziger Stadtteil Grünau können hier vom stressigen Alltag ein wenig abschalten. Und: gleichzeitig tun sie etwas dafür, ihre Umwelt zu schützen. Denn: hier wurde bereits einiges gewerkelt und auf die Beine gestellt, damit sich die Schule zu einer der derzeit 32 Klimaschulen in Sachsen zählen kann.

So ist ein blütenprächtiges Insektenbeet entstanden, bei dem man sich gut vorstellen kann, dass sich Bienen, Hummeln, Käfer und Co dort sehr gern tummeln. Hier und da sind Futter- und Nisthäuser angebracht, zahlreiche Naschsträucher angepflanzt, ein Kompost angelegt, Hochbeete gebaut und bestellt.

Auf dem Weg zur Klimaschule

„Unsere Schule gibt es erst seit dem Schuljahr 2020/ 2021. Mit der Aufbruchstimmung der Neugründung kam auch die Idee, selbst aktiv zu werden und im Schulalltag etwas für den Klimaschutz zu tun. Viele unserer Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte legen in ihrem Alltag Wert auf einen nachhaltigen Lebensstil. Daran wollten wir auch unsere Schüler:innen teilhaben lassen. Wir gründeten die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit und setzten erste kleinere Maßnahmen um, u.a. ein Mülltrennungssystem. Schnell bezogen wir die Schüler:innen mit ein. Das Ganztagsangebot „Prima-Klima“ entstand. Hier gestalteten Schüler:innen beispielsweise Plakate, wie man Müll ordentlich trennt oder vermeidet und drehten einen Film mit Stromspartipps. Nach dem Beschluss auf der Schulkonferenz haben wir schließlich im Juni 2021 die Projektskizze, als ersten Meilenstein zur Bewerbung als Klimaschule, eingereicht.“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Wenke Schenfeld. Wenn man sie erzählen hört, spürt man schnell ihre Begeisterung und Engagement für das Thema und ihr Schüler:innen.
Nach Zustimmung durch Kind und Eltern sowie positiver Rückmeldung durch das Fachzentrum Klima (am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) sowie der Klimaschulkoordination des Landesamtes für Schule und Bildung stellte die Schule den eigentlichen Antrag zur Klimaschule. Ein Klimaschulplan wurde entwickelt. Im Antragsprozess unterstützt wurde die Schule von Forum B, einem gemeinnützigen Verein. Im April 2022 war es dann soweit: der Antrag wurde bewilligt und der Titel „Klimaschule“ für die nächsten fünf Jahre gesichert.

Schwerpunkt geistige Entwicklung

Die Schule am Neptunweg ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Die Bedürfnisse und der Förderbedarf der einzelnen Schüler:innen sind sehr unterschiedlich, und können vom normalen Schulsystem nicht abgedeckt werden. „Uns ist es wichtig, den Klimaschutzgedanken fest im Schulalltag zu verankern, die Schüler:innen für kleine Schritte zu sensibilisieren und so auch in die Familien auszustrahlen.“, so Wenke Schenfeld.

Kleine Aktionen mit großer Wirkung

Wenn man durch die Klassenräume geht, sieht man kleine Komposteimer aufgestellt. Auf den Schultoiletten sind Stoffhandtücher und recyceltes Klopapier zu finden. Im Schulhof steht ein Altpapier-Sammelcontainer. Es gibt eine Sammelstelle für leere Drucker-Patronen. Die elektrischen Steckerleisten können ausgeschaltet werden. Als Leuchtmittel werden LED-Lampen benutzt. Müsli und Spülmittel werden nur unverpackt im Unverpacktladen gekauft, Obst und Gemüse aus der Ökokiste Leipzig oder dem eigenen Schulgarten bezogen.
Hier ackern kleine und große Hände im Ganztagesangebot Schulgarten oder sind Müll sammelnd, in der Nachbarschaft zu finden. „Was die Leute alles wegschmeißen.
Das ist ja eklig!“, so der O-Ton der Schülerschaft. Die Eltern finden die Aktionen gut, geben positive Rückmeldungen und fragen nach. Wenke Schenfeld ergänzt: „Meist sind die Kinder nach dem Unterricht geschafft und müde. Da ist es wichtig, möglichst etwas Praktisches zu machen. Hilfreich sind auch unsere Themenkisten „Energieparcours“ mit anschaulichen Stationen zu den Themen Sonnenwärme, Windkraft, Energiesparen u.a. Und: jede Klasse kann konkrete Vorschläge für den Klimaschutz umsetzen und in einem Klimapass Punkte sammeln. Am Ende des Schuljahres wartet dann eine Auszeichnung.“

Jahresthema „Verschwenden beenden“

Vor kurzem fand die Projektwoche zum Schuljahresthema „Verschwenden beenden“ statt. Schon lange davor wurde fleißig Plastikmüll gesammelt, gesäubert und, statt einfach wegzuwerfen, wurden daraus Kreisel hergestellt. Dafür lieh sich die Schule extra eine Recyclingmaschine vom Kunststoffzentrum Leipzig (KUZ) aus. „Auch beim Leipziger Zukunftstag waren wir dabei. Dieses Jahr wollen wir am 25. Juni an der Leipziger Ökofete teilnehmen. Dafür bauen wir kleine Solarautos, gesponsert von der Stadt Leipzig und dem hiesigen Umweltinformationszentrum.“, erzählt Wenke Schenfeld.

Und sonst noch?

Und was ist für die Zukunft sonst noch geplant? Es soll eine Solaranlage auf dem Schulhausdach oder alternativ eine Balkonsolaranlage entstehen. Bis zur Umsetzung möchte sich die Schule einen Ökotrainer anschaffen, um Strom aus eigener Muskelkraft selbst zu erzeugen, damit z.B. Schul-IPads und Handyakkus aufgeladen oder Musik gehört werden kann. Und: die Schule am Neptunweg möchte sich um den Klimapreis der Stadt Leipzig bewerben. Einen Preis, den die Schule sich, unserer Meinung nach, mit ihrem unermüdlichen Engagement in jedem Fall jetzt schon verdient hat!

KOOPERATIONSPARTNER DER SCHULE AM NEPTUNWEG:
Stadt Leipzig, Unverpacktladen „lieberlose“, Gemüse Ackerdermie, Ökokiste Leipzig, Unabhängiges Institut für Umweltfragen (Ufu), VED Stiftung für erneuerbare Energien, Caritas, NaBu, Mehrweg e.V., Sächsisches Landesamt für Schule und Bildung (AG Klimaschulen), Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie u.a.

Kategorien: Leipzig NEWS , Schule und Bildung

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