Ratgeber

Warum Impfen?

Maria Grahl (mg) · 09.04.2019

barneyboogles - Fotolia

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Dr. Sophie-Susann Merbecks ist Mitarbeiterin der Landesuntersuchungsanstalt des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz und Mitglied der Sächsischen Impfkommision (SIKO).


Frau Dr. Susann-Sophie Merbecks

Wie funktioniert denn eigentlich „Impfen“?

Ein Impfstoff enthält abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger, die jedoch die Krankheit selbst nicht auslösen können. Trotzdem bildet der Impfling Antikörper und Gedächtniszellen, die bei einem Kontakt mit dem echten Erreger sofort in Aktion treten und diesen abwehren können, der Geimpfte ist „immun“.

Was ist der Unterschied zwischen einer aktiven und einer passiven Immunisierung?

Die aktive Immunisierung ist oben beschrieben. Sie dient dem Aufbau eines langfristigen Schutzes, wofür bei vielen Impfungen Auffrischungen, also nochmalige „Erinnerungen“
notwendig sind. Bei manchen Krankheiten gibt es die Möglichkeit, durch die Gabe von Antikörperkonzentraten einen schnellen Schutz aufzubauen. Dies kann zum Beispiel bei ungeimpften Säuglingen oder Schwangeren verhindern, dass sie trotz Ansteckung erkranken, wenn die Antikörpergabe rechtzeitig erfolgt. Der Schutz einer solchen passiven
Immunisierung hält aber nur für kurze Zeit (ca. für drei Monate) an.

Bestimmte Personengruppen können nicht oder nur gegen manche Krankheiten geimpft werden, wie zum Beispiel Schwangere. Warum ist das so und wie können diese Personen dennoch vor Krankheiten geschützt werden?

Es gibt nur sehr wenige Personen, die grundsätzlich keine Impfung erhalten sollten. Während einer akuten fieberhaften Erkrankung sollte nicht geimpft werden, und wenn nachgewiesene Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffes vorliegen. Auch Erkrankungen des Immunsystems können ein Impfhindernis darstellen. Außer Impfungen mit Lebendimpfstoffen (z. B. Masern- Mumps-Röteln-Windpocken, Gelbfieber) können auch Schwangere prinzipiell geimpft werden. Es gibt sogar Impfungen, die für Schwangere explizit empfohlen werden: die Influenza- und die Keuchhustenimpfung, da diese Erkrankungen für ein Neugeborenes besonders gefährlich sind und bei Schwangeren häufig sehr schwere Krankheitsverläufe der Virusgrippe beobachtet werden. Damit Schutzimpfungen nicht fälschlicherweise für Fehlbildungen verantwortlich gemacht werden, sollte allerdings erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel geimpft werden.Sollten Patienten nicht geimpft werden können, so ist es umso wichtiger, dass die Menschen in ihrem Umfeld durch Impfungen  geschützt sind und so die Ungeschützten nicht anstecken können.

Säuglinge sind anfangs durch Antikörper durch die Nabelschnur und später auch durch solche in der Muttermilch vor einigen Krankheiten geschützt – warum und in welchen Fällen ist ein weitergehender Impfschutz wichtig?

Es ist richtig, dass die in der Muttermilch enthaltenen Antikörper Schutz vor bestimmten Infektionen bieten. Mit vielen Krankheiten setzen sich junge Mütter aber gar nicht mehr
auseinander, weil sie selten geworden sind, und können deshalb während der Schwangerschaft und Stillphase auch keine entsprechenden Abwehrstoffe an ihre Kinder weitergeben.
Deshalb bietet nur die Impfung einen sicheren Schutz vor Infektionserkrankungen und auch gestillte Kinder sollten unbedingt nach Impfkalender geimpft werden.

Welche Gefahren bringt – abgesehen von den Risiken des Einzelnen – der Verzicht auf Impfen mit sich?

Ob Impfen eine Pflicht sein sollte, ist umstritten, besser wäre der Begriff: „Impfverpflichtung“. Durch eine Impfung schütze ich nicht nur mein Kind oder mich selber, sondern die,
die – aus welchen Gründen auch immer – nicht geimpft werden können. Ein Beispiel: eine Masernimpfung erfolgt in der Regel erst ab dem 2. Lebensjahr. Die Krankheitsverläufe bei Säuglingen sind aber meist keineswegs harmlos und es treten viele Komplikationen auf. Durch ein geschütztes Umfeld ist auch der Ungeimpfte geschützt und das ist durchaus eine gesellschaftliche Verpflichtung: den Schwachen zu schützen.

Impfgegner führen oftmals mangelhafte Aufklärung über Impf-Risiken, fehlende Langzeitstudien und nicht selten auch persönliche Erfahrungen und Ängste als Argumente für eine individuelle Impfentscheidung an, die wissenschaftlich aber oftmals nicht bestätigt werden können. Wo können sich Eltern, die ja zumeist über kein medizinisches Fachwissen verfügen, informieren, warum und wann eine Impfung notwendig ist, um so zu einer verantwortbaren Entscheidung zu kommen?

Grundsätzlich sollte der behandelnde Kinderarzt der erste Ansprechpartner zu Impffragen sein. Bedauerlicherweise kursieren gerade im Internet sehr viele impfskeptische Beiträge.
Hier sollte man wissenschaftlich fundierten Seiten wie z. B. der des Robert Kochsowie des Paul-Ehrlich-Institutes (www.rki.de, www.pei.de) oder auch der Seite www.kinderaerzte-im-netz.de vertrauen.

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