Ratgeber

Sommer, Sonne, Sonnencreme!

Pia Schrell (ps) · 04.07.2019

Foto: nadezhda1906 - Fotolia.com

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Helikoptereltern, die stets zur Stelle sind und ihre Kinder überbehüten, gibt es inzwischen auf jedem Spielplatz. Aber können Mamas und Papas auch beim Thema Sonnenschutz übertreiben? Ein bisschen Sonne schadet doch nicht, oder? Falsch, sagt Dr. med. Helger Stege. Er ist Chefarzt der Dermatologie am Klinikum Lippe und forscht und doziert seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Photodermatologie – dem Fachgebiet, das sich unter anderem mit Lichtschutz und der Diagnostik von durch Licht verursachten Hauterkrankungen befasst. Worauf ihr unbedingt achten solltet und welche Tipps wirklich etwas bringen, hat Kind+Kegel für euch herausgefunden.

Baby- und Kleinkindhaut ist empfindlich, besonders empfindlich. „Wir wissen beispielsweise, dass Sonnenbrände, die im Alter zwischen sieben und zehn Jahren erworben wurden, ein erhöhtes Hautkrebsrisiko bergen“, sagt Dr. med. Helger Stege. Dies liege einerseits an der vergleichsweise langen Zeit, in der sich im Laufe des Lebens noch Veränderungen des Erbguts und der Haut entwickeln könnten – schlimmstenfalls Krebs. Andererseits braucht vor allem Säuglings- und Babyhaut einen besonderen Schutz vor UV-Strahlung und auch kleine Kinder sollten sich unbedingt im Schatten aufhalten. „Die Barriere der Haut von Säuglingen und kleinen Kindern ist noch nicht komplett entwickelt. Zudem können sie nicht so stark pigmentieren und bilden auch noch nicht so viel Schweiß, der einen körpereigenen Stoff zum Schutz gegen UV-Strahlung enthält.“

Denn auch, wenn wir einen Großteil des Tages in Räumen verbringen und eigentlich Licht für unsere Gesundheit und das Wohlbefinden brauchen, sollte sich besser niemand ungeschützt einer starken Sonnenausstrahlung aussetzen. „Wir wissen, dass UVB-Strahlen die Erbsubstanz direkt schädigen können.“ Auch UVA-Strahlung ist schädlich für die Haut. Die Folgen: ein erhöhtes Hautkrebsrisiko. „Kinder im ersten Lebensjahr haben in der Sonne absolut nichts zu suchen“, sagt auch Prof. Dr. Thomas Dirschka vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V.. Wird der Nachwuchs älter, sollten Eltern dafür sorgen, dass sich ihre Kids zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten, aber auf keinen Fall in der Mittagssonne, aufhalten.

Trotzdem begegnet der Experte immer wieder Müttern und Vätern, die ihre Kinder ungeschützt zu genau dieser Uhrzeit in der prallen Sonne spielen lassen: „Ein Kleinkind am Strand oder im Schwimmbad nackig ohne textilen Schutz spielen zu lassen, ist für mich Körperverletzung“, sagt
der Mediziner und spricht Eltern in solchen Situationen an. Aussagen wie „die Kinder brauchen aber ja auch mal Sonne“, hält er für eine Ausrede und ein veraltetes Denkmuster, demzufolge Sonnenlicht gegen Rachitis helfen sollte. Heute sei dies überholt. „Das, was dem Menschen an der Sonne guttut, ist nicht die UV-Strahlung, sondern die Helligkeit“, sagt Dr. Stege. Doch dieser positive Wohlfühleffekt steht auch für den Mediziner und Wissenschaftler in keinem Verhältnis zu dem, was die Sonnenstrahlung an schädlichen Folgen haben kann. „Es gibt keine Dosis,
bei der keine Schäden durch Sonne auftreten. Man kann nicht sagen zwei Minuten sind super und zehn Minuten sind schlecht. Was letztendlich den Reiz für eine Mutation der Haut auslöst, kann man nicht sagen.“

Aber keine Panik! Mit folgenden Tipps können deine Kids und du den Sommer genießen:

Cremen, cremen und nochmals cremen

Muss es wirklich die zentimeterdicke Schutzschicht sein? „Ja“, sagt unser Experte Dr. med. Helger Stege. Vielleicht nicht zentimeterdick, aber zumindest großzügig und nicht zu dünn. Denn Sonnencreme braucht eine gewisse Dichte in der Auftragung, damit sie schützen kann.

Der Lichtschutzfaktor

Der Lichtschutzfaktor sollte möglichst hoch sein. Stege rät zu Produkten mit Lichtschutzfaktor 50+. Und aufgepasst: Nase, Ohren, Lippen, Wangenknochen und alle Stellen, die der Sonne besonders ausgesetzt sind, müssen besonders gut eingeschmiert werden. Nach ein bis zwei Stunden sollte von Mama und Papa unbedingt nachgecremt werden. Besondere Kleidung muss her Eltern können beim Kauf von Kleidung, die
vor UV-Strahlung schützt, auf ein besonderes Siegel achten: „Das ist das UV STANDARD 801 Siegel“, sagt Stege. Das Gewebe der Textilien
schütze auch bei Dehnung und Nässe. Zudem sollten sich Kinder bis zu einem Alter von mindestens sechs Monaten ausschließlich im Schatten aufhalten.

Qualitätsmerkmale der Sonnencreme beachten

Beim Kauf lohnt es sich, nach Kriterien wie Wasserfestigkeit oder Reibungssicherheit zu schauen. „Das ist wichtig, weil sich die Creme beispielsweise im Spiel nicht so leicht abrubbelt und an der Haut anhaftet“, sagt der Experte für Photodermatologie. Zudem sollte gerade für kleine Kinder ein Produkt verwendet werden, das einen hohen physikalischen Filter enthält („physikalisch“ bedeutet, dass mikroskopisch kleine, mineralische Partikel, die auf die Haut aufgetragen werden, das Sonnenlicht reflektieren und zerstreuen). Bei physikalischen Filtern kann es dazukommen, dass die Haut „weißelt“. „Allerdings sollte dabei sicherheitshalber auf Nanotechnologien verzichtet werden“, sagt Stege. (Nanopartikel sind noch kleiner und könnten möglicherweise in die Kinderhaut eindringen, da die Barriere noch nicht vollständig entwickelt
ist – allerdings ist die Studienlage dazu noch unklar).

Mindesthaltbarkeitsdatum

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)? Ja, ihr lest richtig! Auch Sonnencreme kann ablaufen, denn die Basis der Produkte sind Öle und die können bei hohen Temperaturen und nach Anbruch oxidieren und „schlecht“ werden. „Das Mittel sollte in jedem Fall verschließbar sein“, sagt Stege. Zudem sollte unbedingt auf das Mindesthaltbarkeitsdatum geachtet werden. Aber Augen auf und Sonnenbrille ab: Es gibt nämlich gleich zwei verschiedene Daten, die wichtig sind. „Das eine sagt, wie lange das Mittel verschlossen haltbar ist und das andere, wie lange es nach Anbruch noch verwendet werden kann.“ Sollte die Creme schon einige Tage im Auto durch die Sonne erhitzt worden sein, empfiehlt sich ein Nachkauf
bereits vor Ablauf des MHDs.

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