Ratgeber

Cybermobbing bei Kindern – was tun?

Pia Schrell · 14.05.2018

Pia Schrell

Pia Schrell

Das Internet bietet viele Möglichkeiten, aber auch Gefahren. Viele Eltern machen sich Sorgen, dass ihr Kind online psychischer Belastung, Gemeinheiten und Mobbing ausgesetzt sein könnte. Doch wie erkenne ich Cybermobbing? Und was ist zu tun, wenn das eigene Kind betroffen ist? Kind + Kegel hat für euch mit Experten gesprochen.

Was ist Cybermobbing? Diese Fragen stellen sich immer mehr Eltern, denn während Kinder und Jugendliche immer mehr im Internet surfen, Kontakt per WhatsApp halten, auf Snapchat Fotos und Videos schicken oder auf Instagram ihr Leben für Freunde und manchmal die ganze Welt preisgeben, bietet es auch neue Wege des Mobbens.

Reales und digitales Mobbing vermischen sich

„Früher war das klassische Mobben eher auf das Klassenzimmer oder auf den Schulhof beschränkt“, sagt Dr. Iren Schulz. Sie ist Medienpädagogin und Coach für die Bundesinitiative „Schau hin! was dein Kind mit Medien macht“. Doch mittlerweile sei nach Schulschluss nicht auch automatisch Schluss mit Hänseleien, Beleidigungen und Psychoterror. „Unter Cybermobbing versteht man ein aggressives Verhalten, das online und oftmals anonym ausgeübt wird.“ Das besonders Gemeine: Durch das Nutzen von Onlinemedien verändert sich das Opfer-Täter-Verhältnis und das Publikum wird größer und anonymer. Es wird viel leichter, andere zu mobben, zu beleidigen oder ihren Ruf zu schädigen. „Durch das Internet bleiben die Täter in sicherer Distanz“, erklärt Dr. Schulz. Bei Facebook, Instagram oder WhatsApp müsse man nicht jedem von Angesicht zu Angesicht in die Augen schauen. Zudem kann alles direkt mit einer großen Anzahl Personen geteilt werden.

Dr. Iren Schulz; Bildquelle: Delf Zeh

Sexting ist weit verbreitet

Dabei kann es ganz verschiedene Formen des Cybermobbings geben: „Es kann beispielsweise extra WhatsApp-Gruppen geben, in denen Personen fertiggemacht werden“, sagt die Expertin. Auch häufig verbreitet: Datenklau. Auf Fakeprofilen werden dann Lügen und Beleidigungen verbreitet. Doch inzwischen gibt es weitere Formen, die besonders junge Mädchen betrifft. „Sexting, ist eine Unterform von Cybermobbing“, erklärt Dr. Schulz. Dabei würden besonders Mädchen überredet beispielsweise Fotos „oben ohne“ zu schicken. Ist dann Schluss mit dem Freund oder hat der sich nur ein fieses Spiel erlaubt, können diese Fotos leicht in falsche Hände geraten oder mit einem Klick mit der ganzen Klasse geteilt werden. „Daher rate ich immer, dass man wirklich gut überlegen sollte, wem man welche Bilder von sich schickt!“ Für die Betroffenen sei es unglaublich peinlich und eine psychische Belastung, die ernste Folgen haben kann.

Anzeichen für Cybermobbing

Folgende Verhaltensweisen und Auffälligkeiten könnten auf Cybermobbing hinweisen:

Dein Kind…

  • zieht sich sozial zurück und möchte nicht mehr in die Schule gehen oder Freunde treffen.

  • ist plötzlich in den sozialen Netzwerken nicht mehr aktiv und zieht sich auch hier zurück.

  • klagt z. B. über Bauchschmerzen, wenn es in die Schule muss.

  • hat Verletzungen, wie Schürfwunden, oder eine dreckige Hose.

„Die Anzeichen können sehr vielseitig sein und sind häufig ähnlich, wie die von realem Mobbing“, sagt Dr. Schulz. Erkennen Eltern solche Anzeichen, sollte dem Kind in jedem Fall Unterstützung angeboten und geholfen werden. Denn erst, wenn sich Betroffene jemandem anvertrauen, können weitere Schritte eingeleitet werden.

5 Tipps für den Umgang mit Cybermobbing

  • Die Täter macht die Schwäche der Opfer stark: Eltern sollten ihrem Kind zuhören, es unterstützen und gegebenenfalls einen Expertenrat einholen.

  • Beweise sammeln: Eltern können ihren Kindern helfen, indem sie beispielsweise Screenshots von Chatverläufen oder beleidigenden Posts machen oder ihre Kinder daran erinnern.

  • Profile melden: Bei Facebook und Co. gibt es die Möglichkeit, Profile zu melden oder sich über User zu beschweren.

  • Strafanzeige stellen: Cybermobbing ist kein Spaß und kann zur Anzeige gebracht werden. Eltern und Kinder können sich im Vorfeld informieren, was dafür nötig ist, und zum Beispiel bisher gesammelte Beweise mitnehmen.

  • Täter und Opfer an einen Tisch bringen: Es kann mit erfahrenen Experten versucht werden, das Thema des Cybermobbings mit allen Beteiligten zu besprechen und nach den Ursachen sowie Lösungen zu suchen. Ganz klar ist dabei aber: Mit dem Mobbing MUSS Schluss sein!

  • Weitere Tipps und Infos findest Du hier.

 

Tags: Anzeichen Cybermobbing , Mobbing im Internet , Sexting

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