Rassismus an Grundschulen: Leipzig reagiert
alle Bilder: Sachsen Fernsehen
Rassismus schon in der Grundschule?
Rassismus erkennen, benennen und darauf reagieren: Damit sollen sich Kinder in Leipzig bereits im Grundschulalter beschäftigen. Hintergrund ist eine Befragung unter Lehrkräften, Schulleitungen und Schulsozialarbeitern aus Leipzig, dem Landkreis Leipzig und Nordsachsen.
Von 189 verwertbaren Antworten enthielten 115 Angaben zu beobachteten menschenfeindlichen Vorfällen. Beim Landesamt für Schule und Bildung wurden für Stadt und Landkreis Leipzig im Jahr 2025 dagegen zwölf „besondere Vorkommnisse“ gemeldet. Direkt miteinander vergleichen lassen sich diese Zahlen allerdings nicht.
Warum nicht jeder Vorfall offiziell auftaucht
Anna Schüller, Projektkoordinatorin für Extremismusprävention und Demokratiestärkung an sächsischen Grundschulen, verweist auf unterschiedliche Voraussetzungen. Ein Vorfall müsse eine bestimmte Schwelle erreichen, etwa mehrfach auftreten oder strafrechtlich relevant sein, bevor er als besonderes Vorkommnis weitergemeldet werde.
Auch Pia-Mareike Heyne, Referatsleiterin für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt bei der Stadt Leipzig, überrascht die Differenz deshalb nicht. Die Stadt habe bereits mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet und die Studie auch aus diesem Grund mit angestoßen.

Workshops für Kinder und Fortbildungen für Schulen
An diesem Punkt setzt eine Bildungs- und Beratungsstelle an. Das Angebot richtet sich sowohl an Kinder als auch an Lehrkräfte. Möglich sind beispielsweise 90-minütige Workshops, längere Formate oder Projekttage für Grundschüler. Lehrkräfte können zudem Fortbildungen und Beratungen erhalten.
Dabei geht es darum, Vorfälle besser zu erkennen, einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren. Schulen sollen außerdem dabei unterstützt werden, eigene Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu entwickeln.
Nach Angaben der Projektkoordination wurden seit April bereits fast 250 Kinder erreicht. Grundsätzlich können sich alle Leipziger Schulen an die Beratungsstelle wenden. Die Nachfrage nach Workshops, Fortbildungen und konkreten Handlungsleitfäden sei hoch.
Auch Erwachsene spielen eine Rolle
Warum menschenfeindliche Aussagen schon bei jüngeren Kindern auftauchen, lässt sich laut Stadt nicht allein mit sozialen Medien erklären. Kinder nähmen auch das auf, was sie in ihrem Umfeld erleben.
Für Familien bedeutet das: Wie Erwachsene über andere Menschen sprechen und wie auf abwertende Aussagen reagiert wird, kann im Alltag eine wichtige Rolle spielen. Genau deshalb richtet sich Prävention nicht ausschließlich an Kinder.
Wie geht es mit dem Angebot weiter?
Die Stadt Leipzig will künftig enger mit der Beratungsstelle zusammenarbeiten und deren Erkenntnisse regelmäßig auswerten. So soll schneller sichtbar werden, an welchen Schulen Unterstützung gebraucht wird.
Wie langfristig das Angebot bestehen kann, ist allerdings noch offen. Die aktuelle Förderung läuft nach Angaben des Projekts zunächst bis Ende 2026. Für eine Fortsetzung werden weitere Fördermittel benötigt.
Entscheidend bleibt damit nicht nur, ob Vorfälle offiziell erfasst werden. Wichtig ist auch, dass Kinder und Lehrkräfte wissen, wie sie reagieren können und wo sie Unterstützung finden.
Redaktion Kind+Kegel · 12.08.2026
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