Kalli und Karla hinter den Kulissen

So läuft die Arbeit im tjg. theater junge generation

Kathrin Muysers (km) · 18.06.2019

Illustration: Robert Reinhold

Illustration: Robert Reinhold

Hallo aus dem tjg. theater junge generation – wo wir endlich mal nicht nur hinter sprichwörtliche, sondern tatsächliche Kulissen gucken dürfen!

Das Kraftwerk Mitte steht schon über 100 Jahre lang, aber mit dem Einzug des tjg (und der Staatsoperette) ist neues Leben in die dicken, alten Ziegelmauern eingekehrt. In Empfang genommen werden wir von Norbert Seidel, dem Pressesprecher des tjg. Obwohl wir ja jetzt im Theater sind, geht‘s heute mal nicht in den Zuschauerraum einer der drei Bühnen, sondern in den Teil des tjg, wo die Theatermacher sitzen, die man sonst nicht zu sehen bekommt – also [hier berufe einfügen, siehe Hinweis Herr Seidel]. Und die, das merken wir selber, brauchen sowohl eine gute Kondition, als auch einen guten Orientierungssinn.

Denn die Wege hier führen nicht nur entlang beinahe endlos scheinender Gänge, sondern auch treppauf, treppab, durch schwere Brandschutztüren und riesige Hallen, in denen die Kulissen aktueller und vergangener Inszenierungen gelagert werden. Deswegen gibt es für die Mitarbeiter auch Tretroller, mit denen sie im Haus schneller von A nach B kommen.

 

Als erstes dürfen wir der Puppenbildnerin Laura Maiwald buchstäblich über die Schulter schauen. Sie sitzt an einer Werkbank und formt aus Ton einen Pinguinkopf. Der wird später im neuen Sommerstück im Sonnenhäusel seinen Auftritt haben, ist aber noch nicht fertig. Dafür zeigt uns Frau Maiwald eine Möwe, und was dabei passiert, ist lustig und spannend: obwohl Frau Maiwald keine Puppenspielerin ist, erwachen ihre Puppen in ihren Händen zum Leben. Heißt: wenn Frau Maiwald lacht, lacht die Möwe einfach mit. Wir glauben, Frau Maiwald hat ihre Figuren sehr, sehr gerne.

 

Als nächstes lernen wir Birgit Pol kennen, die im Puppenatelier als Schneiderin und Dekorateurin arbeitet. Mit einem Nadelkissen am Handgelenk näht sie VON HAND! einen Streifen rosa Plüsch auf eine rosa Kugel. Mit einem Paar Augen und vier Beinen wird klar, dass es sich bei dem rosa Bonbon einmal um Schafe handeln wird. Man sagt ja, vom Schafe zählen wird man müde – ob das beim Schafe Nähen auch so ist?

Claudia Binde ist Herrenschneidermeisterin und leitet am tjg die Kostümabteilung. Ihr „Reich“ besteht aus Tausenden von Textilien aus dem Fundus, die je nach Inszenierung neu kombiniert und um maßgeschneiderte Stücke ergänzt werden. Neben den dicht bestückten Kleiderständern ist die Schneiderwerkstatt voll mit säuberlich beschrifteten Schachteln, in denen sich Kragen, Spitzenreste, Unterröcke und all erdenklichen Accessoires befinden. Die Kostüme müssen viel aushalten: neben den vielen Aufführungsterminen sengende Sonne, zerrende Winde, triefenden Regen, wenn die Stücke im Freien aufgeführt werden.

 

Die viele Arbeit kommt schließlich in den Probebühnen zusammen. Zu jeder Bühne gibt es eine Probenbühne. Dort werden die genauen Dimensionen der eigentlichen Bühne „gespiegelt“, damit die Schauspieler später genau wissen, wo sie stehen, wie viele Schritte sie gehen und wie sie sich bewegen sollen. Wenn die Proben für ein Stück im Schnitt 6–8 Wochen vor der Premiere losgehen, sind Kostüme und Kulissen oft noch gar nicht fertig. Erst zur Generalprobe kommt dann alles auf der eigentlichen Bühne zusammen – Möwen, Schafe, Kostüme, Kulissen und auch eine geheimnisvolle Mülltonne …

Bis zum nächsten Mal wünschen wir Euch „Hals- und Beinbruch“! Nein, das ist nicht böse gemeint, sondern das sagen Theatermenschen so, wenn sie sich Glück wünschen ...

 

Vokabular

Ihr findet Theater toll und wollt mitreden wie die Erwachsenen? Mit diesen Wörtern wisst Ihr Bescheid:

• Inszenierung: Die Umsetzung eines Theaterstücks mit Schauspiel, Puppenspiel, Kostümen, →Kulissen, →Requisiten, Ton, Licht, und manchmal auch dem berühmten Theaternebel
• Kulisse: Teile der (Schiebe-)Wände, die in einem Stück den Ort des Geschehens darstellen
• Premiere: Die erste Aufführung einer → Inszenierung
• Requisiten: Ausstattung eines Theaterstücks, wie Tisch, Stuhl, oder auch Mülltonne

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