Kalli und Karla hinter den Kulissen

Schwimmen mit Pinguinen und übernachten im Spreeweltenhotel

Kathrin Muysers (km) · 04.04.2019

Die Vorfreude ist groß – schon im Auto sind mein Sohn und ich beschwingt und tönen gut gelaunt zum Radio-Hit „I am happy …“. Wir sind auf dem Weg ins neue Spreewelten Hotel. Die Anreise nach Lübbenau verläuft ohne Probleme. Rauf auf den Hotel-Parkplatz und schon nehmen wir mit unserem Gepäck den kurzen Weg zum Hotel-Eingang. Vier Sterne glänzen daran. Als sich die Schiebetüren öffnen und wir eintreten, brauche ich einen Moment, um mich zu sammeln. „WOW – wie schön“ ist das einzige, was mein Gehirn gerade weiterleitet.

Freundliche Gesichter lächeln uns an. Sie stehen hinter dem Tresen – einer breiten Front aus Backstein, unterbrochen von gestapelten Holzscheiten und antiken Koffern. Ich bin begeistert. Das steigerte sich sogleich, als ich rechts das wandbreite Regal mit Büchern entdecke. Als Leseratte setzen sich meine Beine automatisch dahin in Gang. Meine Augen finden gleich einen Roman nach meinem Geschmack. „Den dürfen Sie gerne ausleihen“, höre ich es von der Rezeption. Das mache ich doch glatt. Dann bemerke ich die Gäste auf der anderen Seite – völlig entspannt in einer kleinen Sitzecke, lachend und in der Tageszeitung blätternd. Das wirkt ansteckend. Ich fühle mich auch gerade im Urlaubsmodus, schon alleine beim Anblick dieses schönen Ambientes in diesem Gutshaus.

Mit einem „Mami, wann gehen wir weiter?“, holt mich mein 6-Jähriger zurück ins Hier und Jetzt. Klar, wir sollten erstmal einchecken. Wir erfahren unsere Zimmer-Nummer und erhalten unsere roten Bänder. „Diese tragen Sie bitte während Ihres Aufenthaltes“, sagt die freundliche Hotel-Mitarbeiterin. Schmuck ist es nun nicht gerade permanent so ein Gummi-Armband zu tragen, schießt es mir gleich durch den Kopf. Im Laufe unseres Aufenthaltes sollte ich jedoch noch merken, wie praktisch es ist. Dient es doch als Türöffner fürs Zimmer sowie für bargeldloses Konsumieren im Hotel und im angrenzenden Spreewelten Bad. Eis, Apfelschorle, Pommes und Pina Colada – wir halten einfach das Armband hin und können sofort losschlemmen.

Nachdem wir alle wichtigen Informationen am Empfang erhalten haben, bewegen wir uns über den Hotelinnenhof zum „Speicher“. In ihm schlafen wir die nächsten drei Nächte. Ich fühle mich, als ob ich auf Wolken schreite, als wir den Hotelflur auf dem weichen Teppich entlang gehen. Mir fallen sofort die speziellen Blumenmuster auf der Auslegware, an den Wänden und Lampenschirmen auf. Sie sind angelehnt an die im Spreewald typischen Blaudruck-Muster. Meine junge Begleitung macht sich auch Gedanken über die Ornamente auf dem Flurboden: „Los Mama, wir spielen jetzt, dass man nicht auf die Blumen treten darf – wer darauf tritt, hat verloren!“

Dank auffälliger Hinweise in den Fluren, finden wir unser Zimmer auf Anhieb. Jonas streckt sich, um das Armband an die Tür zu halten und schon geht diese auf. Ähnlich wie beim Hereinkommen ins Hotel-Foyer denke ich auch hier nur „Herrlich!“. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Doch zunächst stelle ich die Taschen ab. Jonas fackelt dagegen nicht so lange: Schuhe aus und schon ist er in seiner kleinen Höhle verschwunden. Den Blaudruck-Vorhang zu diesem Etagenbett hat er natürlich vorher zugezogen. Neugierig schiebe ich meinen Kopf an der Seite hindurch und bin gerührt von den liebevoll gemalten Comic-Motiven an der Wand. Ein Pinguinmädchen hält eine lustig aussehende, auf einem Kahn stehende Kuh. So wurde das Nutzvieh früher im Spreewald auf den Wasserwegen von einer Wiese auf die nächste transportiert. Gibt es auch heute noch, habe ich gelesen.

Während Jonas beschäftigt ist, alle Lichtschalter in seiner Alkove zu testen, schaue ich mich im Apartment um. Es ist großzügig und sehr geschmackvoll eingerichtet, mit Doppelbett, Couch, Tisch, Stühle, Küchenzeile und eben dem Etagenbett für Kinder. Den Stil des Apartments sowie des ganzen Hotels würde ich als urig-modern beschreiben. Materialien, Farben und Stoffe, die traditionell zum Spreewald gehören, wurden hier eingesetzt. Ganz viel alt aussehendes, jedoch eindeutig neues, dunkles Holz, Blaudruck-Gardinen und wieder die zugehörigen Muster an den Wänden. Eine zimmerbreite Fensterfront mit bodentiefen Scheiben lässt die zarte Frühlingssonne durch. Als ich die Balkontür öffne und einen Schritt nach draußen mache, steht Jonas sofort neben mir. Ohren wie ein Luchs – wenn das nur immer so wäre. Unser Blick geht ins Grüne – es ist einfach toll hier. Mir gefällt es jetzt schon. Ein kurzes Probesitzen auf den Balkonmöbeln mit dem Gesicht in die wärmenden Sonnenstrahlen gerichtet, bestätigt, wir haben alles richtig gemacht, jetzt hier zu sein. Ich könnte noch eine Weile so ruhen. Jonas sieht das etwas anders: „Mama, wann gehen wir zu den Pinguinen?“. Okay, okay. Lange braucht er mich nicht zu überreden. Ich bin ja selbst gespannt. Also ziehen wir schnell unsere Badesachen an, werfen unsere Frotteemäntel drüber und auf geht’s ins Spreewelten Bad – natürlich durch den Bademantelgang. Über 100 Meter soll er lang sein. Merkt man gar nicht – läuft es sich doch ganz entspannt auf dem weichen Teppichboden. Jonas schaut aus jedem Fenster links und rechts. Ich freue mich über Rehe, Enten, Fuchs und Storch, die an die Wände gemalt wurden. Dann erblicken wir den ersten Abgang mit dem Hinweis „Zum Baldura“ – da müssen wir erst morgen zum Frühstück hin.

An der nächsten Pforte steigen wir hinab. „Nehmen wir den Fahrstuhl?“ – „Wenn wir zurückkommen.“ Unten angekommen passieren wir mit unserem Band das Drehkreuz und befinden uns im Eingangsbereich des Bades. Die scharfen Kinderaugen erblicken natürlich sofort fasziniert die Pinguin-Souvenirs. Doch die Vorfreude auf den Wasserspaß lässt uns schnell daran vorbeikommen. Ein kurzer Stopp zum Abduschen und dann geht’s ins große Wellenbecken. Wasser und Luft sind selbst für eine Frostbeule wie mich angenehm warm. Jonas springt vergnüglich durch die Wellen, die gerade im Gange sind. Danach schwimmen wir Richtung Strömungskanal. Mir fallen die vielen grünen Pflanzen auf, die die Beckenränder umsäumen: Schilf, Erlen und weiter hinten ein Birken-Wäldchen. Zwei Runden lassen wir uns von der Strömung mitreißen, dann nehmen wir Reißaus und paddeln ins Außenbecken zu den Pinguinen. Sie sitzen ungestört auf den Steinen in ihrer Anlage. Diese ist riesig. Ebenso die Glasfront, welche das Besucherbecken, in dem wir schwimmen und die Wasserbecken der niedlichen Frackträger trennen. Auch hier haben wir wieder das Gefühl mitten im Spreewald zu sein. Eine alte Holzbrücke an Land und unter Wasser altes Wurzelwerk sowie ein versunkender Kahn. Hier hat man sich richtig Mühe gemacht mit der Gestaltung. „Ich will jetzt rutschen“ ertönt es neben mir. Wir schwimmen also wieder in den Innenbereich.

Schon die Ansicht der Landebecken, mit lustigen Pinguin-Motiven verziert, weckt auch in mir die Lust zu rutschen. Die Wände entlang der Wendeltreppe sind ebenso schön bemalt. Oben angekommen wählen wir zunächst die dunkle Röhre. Mit Jonas vor mir liegend schießen wir sie hinab – mega! Also gleich nochmal. Nun aber die andere Rutsche mit Sound- und Lichteffekten – haben wir zu Hause schon zusammengestellt und hier am Terminal auf unser Band übertragen. Auch diese Fahrt steigert unsere Laune ins Unermessliche. Nach gefühlten 50 Mal die Treppe hinaufsteigen, melden sich meine Oberschenkel und ich verabschiede mich in die hinterste Ecke des Landebeckens – Jonas schafft natürlich noch zehn Fahrten. Von weiteren zehn kann ich ihn mit der Aussicht auf ein Eis abbringen. Das Bad-Restaurant befindet sich inmitten von Birken. Wir entscheiden uns für eine kühle Leckerei und ruhen uns beim Schlecken dergleichen ein wenig aus. Kinder-Akkus sind ja bekanntlich schnell wieder aufgeladen und so geht’s wenig später in den Kleinkind-Bereich.

Sogleich steht Jonas auf dem Abenteuer-Floß wie ein kleiner Pirat. Seine eigene Schlacht führend, geht’s rauf und runter, durch die Holzfässer hindurch und wieder zurück, über die Mini-Rutsche sausend und sich sogleich zwischen Holzwänden versteckend. Ich aale mich derweil im warmen Wasser und freue mich über das Nichtstun, bis es plötzlich heißt: „Mama, jetzt bist du mal der Kapitän!“ Und schon habe ich das Steuer wieder in der Hand.

Die Steuerfrau schlägt vor, den Trockenspielplatz zu testen. Sowas braucht man dem jungen Mann natürlich nicht zweimal zu sagen. Auch hier kriecht er durch Holzfässer, balanciert über Seile und hat allen Spaß der Welt. Durch die riesige Glasfront können wir ins Pinguinbecken schauen, besser gesagt in ihre Unterwasserwelt. Aufgeregt fegen sie dort zwischen den Stören entlang. Es ist Fütterungszeit. Die Tierpflegerin Sabine gibt viel über ihre Schützlinge preis und lässt sich aus der Hand fressen – natürlich nur den mitgebrachten Hering. Da meldet sich auch mein Magen. Über Kiddy-Box und Currywurst machen wir uns im Birken-Wäldchen her.

Nach einer Wiederholungsrunde unseres Programms ist auch Jonas sichtbar k.o. – würde er natürlich niemals zugeben, „Ich bin nicht müde!“. Als Bestätigung des Gegenteils, begleitet er mich ganz stillschweigend aufs Zimmer. Dort nehmen wir das schöne Badezimmer mit großem Spreewaldbild, holzgerahmten Spiegeln und Regendusche wahr. Effektiv und schnell sind wir durch mit dem Abendritual und Jonas geht freiwillig ins seine Koje. Sein Plappern ist nur noch Sekunden zu hören. Das der schöne Tag auch anstrengend war, bemerke auch ich. In Richtung Bett umgedreht habe ich mir den Fernseher ja noch, doch dann fällt mir fast die Fernbedienung vor Müdigkeit aus der Hand. Also doch lieber das Licht aus. Gemütlich ist es, in dem weiß bezogenen Kuschelbett. Zufrieden und glücklich schlafe auch ich ein.

Um 7 Uhr fühle ich zarte Kinderpatschen in meinem Gesicht. „Guten Morgen“ strahlt es aus Jonas‘ Gesicht. Gleich darauf werden die großen Vorhänge aufgezogen. Es ist noch nebelig draußen auf den Wiesen. Der weicht in den nächsten Minuten der Sonne. Wunderschön! Da hab auch ich Lust aufzustehen. Wir kleiden uns an und gehen ins Baldura zum Frühstück. Das Buffet lässt keine Wünsche offen: Brot, Brötchen, Müsli, Jogurt, Rührei, Spiegelei, Bacon, Würstchen, Obst, Käse, Lachs, Süßspeisen – wir haben viel probiert. Aber alles schafft man einfach nicht zu kosten. Doch wir frühstücken ja noch zweimal hier. Während ich genüsslich meinen Latte Macchiato trinke, scharrt Jonas bereits mit den Füßen…

Auf dem Programm stehen in den zwei Tagen das Spreewalddorf Lehde mit dem eindrucksvollen Freilandmuseum, eine Kahnfahrt sowie der Dschungelspielplatz und natürlich weitere Besuche des Spreewelten Bades. Unseren letzten Abend verbringen wir gemütlich in der Lounge im Gutshaus des Hotels. Gemütlich sitzen wir auf den Sesseln vor der Bar und schauen in das Kaminfeuer. Auch Jonas ist bedächtig still. Ich bin mir sicher, wir denken beide das gleiche: wie unbeschreiblich schön es hier doch ist.

Beim Auschecken am letzten Tag gibt’s dann doch noch einen süßen Plüsch-Pinguin zur Erinnerung an unseren unvergesslichen Aufenthalt in den Spreewelten. Das Plüschi werde ich wohl auch öfter anschauen. Und ich bin mir jetzt schon sicher: Wir kommen definitiv wieder!

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