Kaleidoskop

Working Moms – am Rande des Wahnsinns?!

Paula Carlsson · 02.06.2019

Pixabay.com/engin akyurt

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Habt ihr schon mal versucht euch bei euren Kindern krankzumelden? „Entschuldigung Baby, aber ich habe heute Kopfschmerzen und eine Infektion der oberen Atemwege. Der Arzt sagt, ich soll im Bett bleiben!“ Zack, den gelben Schein auf den Maltisch gepfeffert und schon ist Ruhe im Karton. Witzig! Funktioniert nicht!

Es ist ungefähr so sinnvoll, wie Dinkelmuffins mit Chia-Topping auf einem Kindergeburtstag anzubieten und zu behaupten, dass Prinzessin Lilifee die am liebsten isst. Die Aussicht auf Erfolg ist gleich Null. Aber es gibt Tage, an denen ich wirklich das Gefühl habe, ich brauche einen Arzt. DRINGEND! Einen, der mir mindestens einen weiteren Kopf, zwei weitere Beine, aber auf jeden Fall sechs weitere Arme und Hände implantiert. Gestatten, ich bin Oktomum. Immer unterwegs und immer zu Diensten. Vielleicht würde ich mit acht Armen schaffen, was auf der To-Do-Liste steht: Die wichtige Abgabe in der Redaktion (nein, ich kann die Deadline nicht nach hinten verschieben), Konferenzen, Interviews und die anderen 100 Sachen, wie ein Tierarztbesuch, weil das Meerschweinchen Durchfall hat, Kartoffelsalat, Würstchen, neue Unterhosen in Größe 128 kaufen und WICHTIG: an neuen Hygienespüler für die Waschmaschine denken, weil das Meerschweinchen Durchfall auf MEINEM Bett hatte. Die Kinder dachten, das Schlafzimmer sei Emergency Room und mein Bett der Schockraum – fatal. Es ist wirklich erstaunlich, was aus so einem kleinen Tier herauskommen kann. Immerhin war ich noch im Schlafanzug. Und immerhin ist es dieses Mal nur das Meerschwein, das krank ist, und nicht das Kind. Danke Universum!


Working Moms werden es kennen: Du hast dich gerade angezogen, die Zeit arbeitet mit riesigen Schritten gegen dich (und das, obwohl die Uhr in der Küche schon absichtlich zehn Minuten vorgeht) und dein Kind hat das Trödelmonster zu Besuch, plötzlich Fieber oder das kleine Geschwisterkind kotzt dir fröhlich auf die gerade noch frisch gebügelte Bluse. Bingo! Volltreffer! Herzlich willkommen im Leben einer  arbeitenden Mutter. Alle Pläne sind dahin und es muss eine Alternative her. Natürlich schnell, das versteht sich von allein. Aus Gründen der Vorsicht habe ich mittlerweile keine Blusen mehr im Schrank – abgesehen davon machen die mich dick. Und ich habe dazugelernt: Ich ziehe mich erst final an, wenn die Gefahr gebannt, das Kind also in der Kita ist oder ein Alter von mindestens 14 Jahren erreicht hat und Kleckern somit kalkulierbar wird. Mal ehrlich, auch wenn es lustig klingt, es ist Wahnsinn, was working Moms leisten. Sie sollen einen guten Job machen – auf der Arbeit und zuhause, na klar. Sollen im Büro performen, am besten in Teilzeit das schaffen, was andere nicht einmal in Vollzeit gewuppt bekommen, den Haushalt schmeißen und gleichzeitig für die Kita den weltbesten Möhrenkuchen backen. Mamas verdienen den größten Respekt. Es ist mir ein Rätsel, wie man dabei noch immer gut gelaunt aus dem gerade voll geschnotterten Blazer gucken soll. Mein  Stimmungsbarometer ist manchmal ziemlich im Keller, das gebe ich gerne zu. Da hilft dann auch kein Glückstee für ein harmonisches Leben zum Frühstück. Immer höher, schneller, weiter – und bloß allen gerecht werden – dieses Gefühl kennen viele Mütter. Aber müssen wir das wirklich? Zu schaffen ist es auf Dauer nicht, oder? Denn auch Oktomoms brauchen Pausen und Phasen der Erholung, in denen sie nicht perfekt sein müssen! Und deshalb gibt es bei uns heute Ofengemüse – muss ja keiner wissen, dass ich damit Pommes meine.

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