Kaleidoskop

Wie geht es unserem Wald?

Stefanie Blaß, René Klabes · 10.09.2021

© Freiwillige Feuerwehr Weißwasser

© Freiwillige Feuerwehr Weißwasser

Wälder sind seit je her dem Wandel des Klimas unterworfen. Ob in den Eis- oder Kaltzeiten, in Trockenperioden oder in jüngster Zeit den Auswirkungen des deutlichen Anstieges der Durchschnittstemperaturen („menschgemachter Klimawandel“). Seit einigen Jahren lassen sich erhebliche Veränderungen in unseren Wäldern beobachten. Die Forstexperten Stefanie Blaß und René Klabes beantworten für euch die wichtigsten Fragen rund um den Zustand unserer Wälder und geben Tipps, wie jeder Einzelne einen Beitrag zur Erhaltung der Wälder leisten kann.

1. Warum geht es unseren Wäldern aktuell so schlecht?

Vor vier Jahren begann eine Serie schwieriger Ereignisse. Angefangen hat alles mit den Sturmtiefs „Xavier“ und „Herwart“ im Oktober 2017. Durch weitere Stürme und Unwetter wurden sachsenweit Millionen Bäume entwurzelt oder umgebrochen. Bisher geschlossene Waldkomplexe boten bzw. bieten dadurch Angriffspunkte für weitere Schadereignisse. Es folgten drei sehr trockene Jahre. Die Kombination dieser Ereignisse bzw. Zustände schwächten die Wälder in ganz Mitteleuropa. Je nach Baumart und Boden leiden Bäume und
Wälder dabei unterschiedlich stark.

2. Es haben aber nicht nur Stürme und Dürre am Zustand unserer Wälder Schuld oder?

Das ist richtig. Wenn Bäume geschwächt sind, verlieren sie ihre Widerstandskraft gegenüber Insekten, Pilzen oder anderen Schadfaktoren. Infolge der Trockenheit blieb zum Beispiel der verstärkte Harzfluss als natürliches Abwehrmittel der Nadelbäume gegen Borkenkäfer aus oder war nicht mehr stark genug. Die Borkenkäfer konnten somit leicht in die Borke der Bäume eindringen und fanden dort genügend Lebensraum und Nahrung. Dieser Effekt wurde durch die vielen umgestürzten oder gebrochenen Bäume noch verstärkt. In der Folge konnten sich die Borkenkäfer extrem vermehren. Wenn man sich überlegt, dass ein einzelner Käfer nur wenige Millimeter klein ist und allein keinem Baum schadet, kann man sich in etwa vorstellen, wie viele Milliarden Käfer an den Waldschäden, die wir seit drei Jahren nahezu überall sehen, beteiligt sind.

3. Was machen die Förster, um dem Wald zu helfen?

Viele Generationen vor uns konnten die Förster den aktuell fortschreitenden Klimawandel nicht erahnen. Sie pflanzten Baumarten nach den jeweils bestehenden Erkenntnissen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an. Besonders während der Industrialisierung, den beiden Weltkriegen und den nachfolgenden Reparationsleistungen bestand ein hoher Holzbedarf bzw. die Notwendigkeit, kahl geschlagene Flächen wieder aufzuforsten. Aufgrund der Pflanzenverfügbarkeit, des schnellen Wuchses und der für den Bau guten Holzeigenschaften wurden zu dieser Zeit dafür häufig Fichten und Kiefern verwendet. So entstanden die noch heute vorhandenen großen, „einförmigen“ Forste, die gegenüber den Klimaextremen besonders anfällig sind. Diese Wälder werden nun Stück für Stück für den Klimawandel fit gemacht. Wir sprechen vom Waldumbau. Jährlich werden dafür Millionen junge Bäume verschiedenster Arten in bestehende Wälder integriert. Durch diese Baumartenvielfalt wird das Risiko für Schadereignisse reduziert und gleichzeitig ein wertvoller Beitrag für den Naturschutz im Wald geleistet. Sachsenforst unterstützt dabei die Waldbesitzer, denn nur gemeinsam können wir gesunde Wälder erziehen. Die Herausforderung besteht darin, einerseits weitere Schäden z.B. durch Borkenkäfer einzugrenzen und andererseits die geschädigten Flächen wieder zu bewalden und den planmäßigen Waldumbau fortzuführen.

© Franz Matschulla


4. Wie können die Bürgerinnen und Bürger helfen, die Wälder wieder fit zu machen?

Es besteht die Möglichkeit, sich z.B. an Pflanz- oder Saataktionen bzw. beim Räumen von Flächen zur Vorbereitung von Pflanzungen zu beteiligen. Unsere Forstbezirke und auch andere Waldbesitzer rufen immer mal wieder zu solchen Aktionen auf. Sachsenforst hat dafür bereits seit 2019 eine Aktion unter dem Motto „Gemeinsam für den Wald – Sachsen macht mit!“ ins Leben gerufen. Darüber hinaus möchten wir drei wichtige Dinge nennen, die Jede*r bei einem Waldbesuch beherzigen sollte. Zum einen sollten unbedingt Wegesperrungen eingehalten werden, die für die Dauer von Waldbewirtschaftungsmaß nahmen eingerichtet werden. Damit bringt man zum einen sich selbst nicht in Gefahr und behindert andererseits auch die Waldarbeiter und Maschinenführer nicht bei ihrer Arbeit. Es erfordert natürlich Verständnis für die notwendigen Arbeiten. Zum anderen bitten wir eindringlich darum, keinen Müll in den Wäldern zu hinterlassen. Einige Menschen denken immer noch, dass es in Ordnung ist, Grünschnitt in den Wald zu fahren. Aber das Gegenteil ist der Fall. Damit können Arten eingebracht werden, die den im Wald lebenden Pflanzen und Tieren massiv schaden. Über Müll wie z.B. Windeln, Autoreifen etc. müssen wir nicht sprechen. Es versteht sich hoffentlich von selbst, dass diese Dinge nichts im Wald zu suchen haben. Das Dritte betrifft das Entfachen von Feuer. Immer wieder kommt es zu Waldbränden, weil Waldbesucher illegale Lagerfeuer machen oder unerlaubt im Wald rauchen. Dadurch werden jährlich viele Hektar Wald zerstört. Deshalb hier nochmal die eindringliche Bitte: Schützt unsere Wälder, in dem ihr Feuerquellen vom Wald fernhaltet!

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