Kaleidoskop

Frohes Nest!

Paula Carlsson (PC) · 09.04.2019

pixabay.com/Alexas_Fotos

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Unsere Autorin feiert dieses Jahr das sechste Osterfest mit Kind und muss feststellen: Es ist doch wirklich zum Piepen, was einige Eltern so schenken.

Von Fahrrädern über Playstation und Co. legt der Osterhase ziemlich teure und große Sachen ins Nest. Früher war das definitiv noch anders. Was gibt´s denn dann zu Weihnachten? Einen ganzen Ponyhof? Ganz ehrlich, Leute: Muss man zu Ostern so richtig große Sachen schenken? Also, nur damit wir uns da richtig verstehen, so richtig große und teure  Geschenke? Und müssen wir jetzt neuerdings auch einen Wunschzettel schreiben? Eigentlich finde ich das übertrieben, aber ich muss das wirklich dingend wissen. Sehr dringend!  Denn mein Sohn macht sich seit Weihnachten Gedanken darüber, dass er seinen Wunschzettel zu undeutlich gemalt hat und dass der Weihnachtsmann ihm deshalb kein Quad, sondern ein Kettcar gebracht hat. In seiner Kinderlogik liegt es daran, dass die Buntstifte nicht angespitzt waren und das Quad somit wie ein dickes Kettcar aussah. Ich habe schon
fast ein schlechtes Gewissen: Er weiß ja nicht, dass wir es waren, die den Wunsch zensierten – bevor die Post auf die Reise zum Nordpol ging. „Wahrscheinlich konnte der Weihnachtsmann das nicht so gut erkennen“, sagt er immer wieder und hofft auf den nächsten Geburtstag oder großen Anlass - zu dem es Geschenke geben könnte. Gehört Ostern inzwischen etwa auch dazu? Reichen nicht mehr Kleinigkeiten und Schokoeier aus?

Da ist es wenigstens nicht so schlimm, wenn man sie beim Suchen nicht wiederfindet, weil so viel Zucker drin ist, dass sie noch bis 2073 haltbar sind. Wie dem auch sei: Selbst, wenn es zu Ostern jetzt so große Geschenke geben soll wie zum Geburtstag oder zu Weihnachten - er wird dieses Quad nicht bekommen. Zu gefährlich, unnötig und für Ostern völlig ungeeignet. Aber seitdem er zwei Kinder aus der Nachbarschaft gesehen hat, die mit dem viel zu schnellen Teil um die Ecken schlingerten, ist er nicht mehr zu bremsen. Ehrlich gesagt, bin ich mir bei dem Fahrstil der zwei Halbwüchsigen ohnehin nicht ganz sicher, ob sich der Osterhase in diesem Jahr überhaupt noch zu uns traut oder ob er möglicherweise mit
einem Osterschenkelhalsbruch – oder noch schlimmer – mit einer gebrochenen Pfote im Krankenhaus liegt. EIEIEI, nicht vorzustellen. Wer soll denn dann die ganzen Eier bemalen?
Hoffentlich klärt das alles zeitnah die Hasenpflichtversicherung. Wobei: Das Anmalen macht ja noch Spaß, vergleicht man es mit dem Auspusten der Eier, die bei uns alle Jahre wieder in der Kita eingefordert werden, damit daraus lustiger Osterschmuck gebastelt werden kann. Neben glitzernden Hasen, denen Kleber aus den Ohren läuft und die nach einem kurzen Intermezzo am Basteltisch mit so viel Glitzer beschmiert sind, dass sie auch problemlos als Playboy-Bunny durchgehen würden, baumeln sie dann fröhlich von Haselnuss- und Weidenzweigen herunter.

Sieht wirklich nett aus, müsste ich dazu nicht im Schweiße meines Angesichts die Dinger vorher auspusten. KRACK – so ein Mist! Nach den letzten Versuchen gab es bei uns so viel Rührei, dass ich mir im Nachhinein ernsthafte Sorgen um den Cholesterinspiegel meiner Familie machte. Es wollte einfach nicht funktionieren. Aus lauter Verzweiflung gab das Kind in der Gruppe drei Plastikeier aus dem Kinderkaufladen ab und sagte: „Mama sagt, wir sind jetzt Veganer!“ Als er beim Frühstück dann aber, wie gewohnt, sein Käsebrot aß, flog der Schwindel auf. Ich möchte mich an dieser Stelle für das 1,5-minütige Schwindeln in der Eingangshalle zur Bringzeit entschuldigen. Aber ich habe dazugelernt: In diesem Jahr mache ich mir nicht so einen Stress. Für mich und meine Familie ist es wichtig, dass wir ein bisschen Zeit zusammen verbringen und möglichst viele der versteckten Eier finden. Sonst riecht das irgendwann so  unangenehm. In diesem Sinne: FROHES NEST!

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