Kaleidoskop

Elterlicher Schlaf – wie geht das?

Paula Carlsson · 15.07.2019

Pixabay.com/Wokandapix

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Elterlicher Schlaf – Entschuldigung, ich muss kurz ein bisschen lachen. So, fertig mit dem HIHIHI und HAHAHA! Die Worte „Eltern“ und „Schlaf“ passen so gut zusammen wie Veganismus und Spanferkelessen oder die Kelly Family und raspelkurze Haare.

Vor drei Abenden schrieb mir eine Freundin per WhatsApp – „Ich gehe jetzt ins Bett, damit ich wenigstens etwas Schlaf bekomme.“ Eine halbe  Stunde später war es ihren Smileys nach zu urteilen, aber auch schon wieder vorbei mit der Nachtruhe. Denn das Baby hatte Durst und lag wieder an der Brust. Klar, da verweigert Mama natürlich nicht den nächtlichen Nachschlag warmer Muttermilch – auch, wenn ich es in Anbetracht von akutem Schlafmangel und dem Wunsch vielleicht wenigstens mal drei Stunden SCHLAFEN zu können, durchaus nachvollziehen könnte. Es müsste ja nicht einmal besonders lang, das Bett besonders weich, flauschig oder frisch bezogen sein. Ich zum Beispiel bin da ganz unkompliziert: Es würde auch mit einem  Kinderfuß (so lange es bei einem bleibt) im Rücken, Popel auf dem Kopfkissenbezug und pupsendem Baby im Beistellbett gehen. Aber BITTE wenigstens mal ein bisschen Ruhe AM STÜCK. So zwei, drei Stunden. Ginge das?!

Geht es nach meinen Kindern, ist das wirklich nur sehr schwer machbar. Besonders, wenn ich abends Grey`s Anatomy oder Gossip-Girl gucken möchte (letzteres für wenigstens ein bisschen Glamour in meinem Leben, zwischen Windeln, Babykotze und Kinderkram). Aber genau dann bekommt der Nachwuchs kein Auge zu. Ey, Sandmännchen! Wo bist du? Hast du die Bahn verpasst oder bist du selbst eingenickt? Es wäre wirklich wunderbar, wenn du deinen kleinen Sandmannpopo vorbeischwingen könntest, um diesen Zauber-Schlaf-Staub zu verteilen!

Aber irgendwie ist das kleine, hutzelige Männlein abends häufig verhindert oder macht gerade Ferien. Weiß da jemand zufällig Näheres? Kurzum: MUTTI MUSS RAN. Wenn ich dann eine – wie ich finde - ziemlich coole Falle gegen Gespenster gebaut habe, sodass es schon ein ziemlich dämliches Gespenst sein müsste, wenn es sich jetzt noch ins Zimmer trauen sollte, ich sicherheitshalber aber auch noch eine  Zauberlinie gegen Geister an den Türrahmen meines Sohnes geschmiert habe, damit auch wirklich keine gemeine Hexe, haarige Spinne, der Räuber Hotzenplotz oder sonst wer reinkommen kann, schläft der Kleine – und Dr. Meredith Grey hat die schwierige OP ohne mein Beisein beendet.

Im Ernst: Mittlerweile habe ich Netflix und Amazon Prime, damit mir sowas nicht mehr passieren kann. Denn es ist ja okay, dass mich meine Söhne brauchen, auch beim Thema Schlafen... Wäre ich nur selbst nicht irgendwann so groggy und der Geduldsfaden ZIEMLICH dünn, ungefähr so dünn wie die gute Butter auf dem Knäckebrot eines Topmodels zum Frühstück oder so dünn, wie der Faden mit dem in Grey`s Anatomy gerade die Bauchdecke verschlossen wurde. Ihr könnt euch ungefähr vorstellen wie DÜNN ich meine?!

Wenn ich dann selbst ins Bett gehe, wird es ab 3 Uhr nochmal richtig schön kuschelig, denn dann kommt auch schon der erste Gast in die Besucherritze. An dieser Stelle auch nochmal meinen tiefsten Respekt an den Vater der Kinder, der auf seiner Seite der Matratze vorzüglich schläft und von dem ganzen Spektakel nicht viel mitbekommt. Blitz, Donner, im Haar zuppelnde Kinderfinger und Wühlmäuse, die die Bettdecke wegstrampeln, stören ihn nicht im Geringsten. Wie macht er das nur? Mir raubt es den Schlaf und den letzten Nerv, das gebe ich zu. Und deshalb bin ich dann auch immer diejenige, die sich irgendwann in das 1.60 Meter lange Piratenbett im Kinderzimmer quetscht, aber vorher nochmal gehörig über die Playmobilkanone stolpert, sich im Gummitwist verheddert und auf ziemlich kantige, sch*** harte Duplo-Steine tritt – denn die Geisterfalle steht ja immer noch da. Auaaaaaaa! Bravo, jetzt sind wir wenigstens alle wieder wach.

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