Kaleidoskop

Das letzte Kitajahr

Gloria Wintermann (gw) · 04.07.2019

Pixabay.com/Design_Miss_C

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Nach den Sommerferien beginnt nicht nur für die ABC-Schützen ein neuer Lebensabschnitt. Auch für die zukünftigen Erstklässler wird es aufregend. Für sie bricht das letzte Kindergartenjahr an. Sie dürfen sich als kleine Könige fühlen, da sie ein besonderes Vorschul-Programm durchlaufen. In verschiedenen Veranstaltungen geht es darum, königliche Eigenschaften weiterzuentwickeln und „sanft“ auf die Schule vorbereitet zu werden. Kind+Kegel hat beleuchtet, was Kinder in der Vorschule eigentlich lernen (sollten) und welche verschiedenen Konzepte es für das Königsjahr gibt.

Vorschule beginnt viel früher

Eigentlich ist die gesamte Kindergartenzeit Vorschulzeit, denn sie bereitet spielerisch auf den nächsten Lebensabschnitt vor, in dem Angebote zur Förderung kognitiver, motorischer, emotionaler, sozialer und sprachlicher Kompetenzen gemacht werden. Frau Lehmann, Leiterin der Friedrich-Wolf-Grundschule Langebrück, dazu: „In Sachsen ist Vorschule Sache der Kindergärten. Der sächsische Bildungsplan legt Bildungsziele für die Vorschule fest. Die konkrete Ausgestaltung, also welche Beschäftigungsangebote konkret umgesetzt werden, obliegt dem Träger der jeweiligen Kindertageseinrichtung.“ Folglich gibt es sehr viele verschiedene Konzepte – von wöchentlichen Kursen mit Schreib- und Rechenübungen, über tägliche Trainings zur Verbesserung des Zahlenverständnisses, der Stifthaltung, Lautunterscheidung, Umgang mit der Schere, Formenlehre, Stillsitzen u.a. Andere Vorschulkonzepte kommen mit weniger Leistungsdruck aus, setzen auf die natürliche Neugier und Lernbegeisterung der Kinder und geben Anregungen zur Stärkung von sozialen Kompetenzen, z. B. indem Menschen im Altersheim besucht werden. Sie stellen die Förderung wichtiger Selbstkompetenzen wie Selbständigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Kritikfähigkeit, Selbstvertrauen u.a. in den Mittelpunkt, z.B. indem sie sich mit Themen wie „mein Körper“, „Krankheit“ oder Gefahren im Straßenverkehr auseinandersetzen. Bei gemeinsamen Ausflügen der Vorschulkinder, z. B. Zugfahrten in die Stadt, Museums- und Bibliotheksbesuche, lernen sie, sich in einer fremden Umgebung zu orientieren, erweitern so ihren Aktionsradius und vertiefen obendrein noch bestimmte Themengebiete.

Was sollte in der Vorschule gelernt werden?

Laut sächsischem Bildungsplan gehören Lesen, Schreiben und Rechnen nicht zu den Grundfertigkeiten, die ein Kind in der Vorschulzeit erlernen muss. Dennoch sieht der sächsische Bildungsplan vor, Grundlagen für die kommunikative Bildung zu legen, z.B. indem vorgelesen und sich darüber ausgetauscht wird. Auch Grundlagen für die mathematische Bildung sollten im Vorschuljahr vertieft werden. Im letzten Kindergartenjahr geht es auch darum zu lernen, sich an Regeln zu halten und mit negativen Emotionen nach Rückschlägen und Konflikten umgehen zu können. Letztlich sind es die königlichen Eigenschaften wie Mut, Selbstvertrauen, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Selbständigkeit, die es gilt, im letzten Kindergartenjahr besonders zu vertiefen – so heißt es zumindest im Vorschuljahr-Konzept des Waldorf-Kindergartens Karlsruhe.

Vertrauen und Vorfreude schaffen

Frau Lehmann fügt hinzu: „Ein wichtiges Ziel vieler Konzepte für das letzte Kindergartenjahr ist es u.a. auch, den zukünftigen Erstklässlern zu ermöglichen, Vertrauen zum neuen Lebensraum Schule und den Lehrern aufzubauen. Zum Beispiel indem Vorschüler an einzelnen Terminen bereits in der künftigen Grundschule unterrichtet werden. Das Konzept, was wir zusammen mit den örtlichen KITAs umsetzen, heißt ‚vorschulische Werkstätten‘. Das Wichtigste dabei ist, bei den Kindern Freude auf die Schule zu wecken.“

Vorschulische Werkstätten, um Kinder zu beobachten

Die Eltern erhalten bei Schulanmeldung ihres Kindes eine Einladung mit den Terminen zu den vorschulischen Werkstätten. Kleingruppen von 10 bis 15 Vorschulkindern nehmen gemeinsam etwa sechs Termine wahr, in denen sie in der zukünftigen Grundschule 90 Minuten lang ein von den Grundschulpädagogen selbst gewähltes Thema bearbeiten. Dabei werden Methoden des Grundschulunterrichts wie Frontalunterricht, Gespräch in der Gruppe, Freie Arbeit, Gestalten, Hörspiel u.a. eingesetzt. Schulleiterin Lehmann ergänzt zum Konzept: „In den vorschulischen Werkstätten werden Kinder mit dem Grundschulunterricht und der Schulstruktur vertraut gemacht. Sie haben Kontakt zu Lehrern und lernen, dass dies nette Menschen sind, die mit den Kindern gemeinsam etwas machen. Und wir Lehrer können die Kinder beobachten und Auffälligkeiten feststellen, um dann zu beraten, wie eine gezielte Förderung aussehen könnte.“ Primäres Ziel der vorschulischen Werkstätten ist daher nicht die Förderung, sondern die Beobachtung der Kinder.

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