Kaleidoskop

Damit der Alltag nicht krank macht

Adina Schütze (as) · 01.05.2019

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Nachgefragt bei …
LUISE RICHTER, M.SC. PUBLIC HEALTH

Luise Richter arbeitet als Koordinatorin für das Projekt „Gesundheit sichern – Eltern stärken“ im Team Frauengesundheit/Müttergenesung für die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen. Vorher absolvierte Luise Richter eine Physiotherapieausbildung und studierte anschließend Gesundheitswissenschaften an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

Was steht hinter der Idee von Mutter-Kind-Kuren?

Mütter sind unterschiedlichen Mehrfachbelastungen im Alltag durch Familie und Beruf ausgesetzt. Langfristig kann dieser Umstand zu Erkrankungen führen. Eine daraus resultierende mütterspezifische Gesundheitsstörung ist das Erschöpfungssyndrom, das einen Zustand der allgemeinen Kraftlosigkeit beschreibt. Weitere typische Anzeichen können Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Rücken- und Kopfschmerzen sowie Anpassungsstörungen sein. Ein möglicher Weg aus der alltäglichen Routine ist die Wahrnehmung einer dreiwöchigen stationären Vorsorgemaßnahme. Dort stehen primär die Bedürfnisse der Mutter im Fokus. In den Einrichtungen wird ein individueller Therapieplan festgelegt. Dabei werden sowohl die gesundheitliche Situation als auch die persönlichen Lebensverhältnisse berücksichtigt.

Wann erfülle ich die Voraussetzung für eine Mütter- bzw. Mutter-Kind Kur?

Alle Frauen, die sich in einer aktuellen Erziehungsverantwortung nach §24 und §41 SGB V befinden und krankenversichert sind, können eine Kur beantragen. Weiterhin sind eine ausreichende mentale und körperliche Belastbarkeit sowie das Vorliegen von mütter-spezifischen Gesundheitsstörungen wichtig. Kinder werden von den Kurkliniken bis zu 12 Jahren aufgenommen. Ausnahmen sind selten und nur nach Absprache möglich. Sie fahren als Begleitkinder aus psychosozialen Gründen mit oder bekommen eigene Therapien.

Welche Schritte sind auf dem Weg zur Kur erforderlich?

Alles beginnt mit einem Termin in einer der 41 Beratungsstellen des Diakonischen Werkes in Sachsen. Diese sind von Plauen bis Zittau verteilt. Die Beratung ist kostenlos. Welche Beratungsstelle sich in der Nähe befindet, erfahren die Frauen auf der Webseite der Kirchlichen Frauenarbeit www.frauenarbeit-sachsen.de/gesundheit/kur/beratung.php. Die erforderlichen Atteste sind in der ärztlichen Praxissoftware hinterlegt. Außerdem geht es im Rahmen einer persönlichen Beschreibung um die aktuelle Lebens - und Gesundheitssituation. Dabei werden auch die individuellen Vorsorgeziele festgelegt. Danach werden die Kurunterlagen an die Belegungsstellen geschickt, die einen indikationsgerechten Platz, entsprechend der Verfügbarkeiten in den Einrichtungen auswählen. Den daraus folgenden Kostenantrag reichen die Mütter selbst bei ihrer Krankenkasse ein. Erst bei einer gültigen Kostenzusage kann ein zunächst vorgemerkter Kurplatz verbindlich in der Einrichtung reserviert werden. Der Anspruch auf eine Kur besteht übrigens alle vier Jahre. Ein vorzeitiger Antrag vor Ablauf dieser vier Jahre ist immer medizinisch indiziert. Psychosoziale Gründe, wie das Alleinerziehen von Kindern, reichen nicht aus.

Kann ich meinen Kurort selbst bestimmen?

Wunschkliniken und Zeiträume (z.B. in den Schulferien) können angegeben werden. Spezifischer wird es dann in der Selbstauskunft, dort ist Raum für pezielle Wünsche: kleine Einrichtung, besondere Therapieangebote oder ein christlich orientiertes Haus. Im Fokus bei der Auswahl der Klinik stehen aber für uns primär die medizinischen Indikationen im Hausarztattest der Mutter/des Vaters. Je nach Leistungskatalog der Klinik gibt es Unterschiede in den Einrichtungen. Die Kurunterlagen werden von den Ärzt*innen in den Kliniken geprüft und dann wird über eine Aufnahme entschieden. Somit kann eine indikationsund bedarfsgerechte Belegung gewährleistet werden. Weiterhin sind das Alter, Anzahl und die Diagnosen der Kinder entscheidend. Sehr wichtig ist, dass die Kostenzusage von der Krankenkasse rechtzeitig vorliegt.

Wie hoch ist die Nachfrage nach Eltern-Kind-Kuren?

Der Bedarf an Mutter/Vater-Kind-Kuren ist sehr hoch. Allein im Jahr 2018 wurden circa 1.700 Anträge von unserem Team bearbeitet (Angabe aus interner Statistik). Folglich sind die Kureinrichtungen im Verbund des Müttergenesungswerkes sehr stark ausgelastet. Besonders an der Ost- und Nordsee in den Ferienzeiten ist es unwahrscheinlich, einen Platz zu bekommen. Auch die Gebirgsregionen sind sehr beliebt. Ein halbes, bis zu einem dreiviertel Jahr Vorlaufzeit ab dem Gespräch in der Beratungsstelle bis zum Kurantritt sollte eingeplant werden.

Tags: Eltern-Kind-Kur , Mutter-Kind-Kur

Kategorien: Kaleidoskop , Job und Familie , Ratgeber