Kaleidoskop

CORONA-IMPFUNG

Adina Schütze · 08.06.2021

Foto: DoroT Schenk, Pixabay

Foto: DoroT Schenk, Pixabay

Viele Menschen in Sachsen haben sich bereits gegen COVID-19 impfen lassen, oder warten auf einen Impftermin. Trotzdem gibt es viele offene Fragen. Kind+Kegel hat beim Sächsischen Sozialministerium nachgefragt, wie sicher die COVID-19-Impfung ist.

1. Es gibt Befürchtungen, dass der Impfstoff das Erbgut verändert oder unfruchtbar macht. Was können Sie dem entgegensetzen?

Die CoronaschutzImpfung ändert das Erbgut nicht, da die Boten-RNA die Erbinformation der Geimpften nicht ändert. Die Erbinformation steckt in der DNA im Zellkern, bis dahin dringt der Impfstoff nicht vor. Die mRNA erreicht nur die äußere Zellschicht, und ist im Übrigen auch nach rund zwei Tagen wieder vollständig raus aus dem Körper. Dann hat die Boten-RNA ihre Mission erfüllt. 

Die Forschung an Arzneimitteln mit messenger-RNA ist übrigens nicht neu. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen arbeiten schon seit mehr als 20 Jahren daran. Es hat auch schon eine Reihe von klinischen Studien gegeben. Vor allem in der Krebsmedizin ist mRNA schon lange ein Thema. Schon vor Jahren liefen Versuche mit Impfstoffen gegen MERS-Coronaviren, auch gen-basierte Tollwut-Impfstoffe wurden getestet. Darauf konnten die Forscher jetzt aufbauen.   

2. Wie sicher ist die Impfung für junge Erwachsene und Jugendliche? Ab wann wird die Impfung denn voraussichtlich auch für Jugendliche freigegeben. Können sich die Kinder dann beim Hausarzt impfen lassen?

Junge Menschen unter 16 Jahren gehören nicht zu den Risiko-Gruppen einer Covid-19-Erkrankung, weshalb die Entwicklung des Impfstoffes für ältere vor ging. 

Es gibt nur einen Impfstoff, der für Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen ist: das ist der Stoff „Co­mir­na­ty“, entwickelt von Biontech/Pfizer. Mittlerweile haben BioNTech und sein US-Partner Pfizer bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA aber auch die Zulassung für 12 bis 16-Jährige beantragt. Alle anderen bisher in Deutschland zugelassenen Stoffe der Firma Moderna (CO­VID-19 Vac­ci­ne Mo­der­na), das Mittel von AstraZeneca/Oxford und das Vakzin Jans­sen von Johnson und Johnson sind erst ab 18 Jahren zugelassen. Die Impfung könnte dann bei den Hausärzten, Kinder- und Jugendärzten stattfinden. 

3. Die Gruppe der Kinder unter 12 Jahren mache zehn Prozent der deutschen Bevölkerung aus – wann ist mit dem Beginn der Impfung für Grundschüler zu rechnen?

Dazu kann man noch keine Aussagen treffen. Aktuell hat Biontech/Pfizer die Zulassung ihres Impfstoffes für Kinder von 12-16 Jahren bei der EU beantragt. Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet damit, dass im Falle einer Zulassung Kinder diese Altersgruppe eine erste Immunisierung spätestens in den Sommerferien bekommen könnten. 

4. Manche Menschen scheinen trotz der Corona-Impfung aktuell zu erkranken und anschließend sogar zu sterben. Stimmt das wirklich? (Zumindest wird das immer wieder behauptet und weitererzählt). 

Die Impfungen schützen in den allermeisten Fällen vor schweren Verläufen, nichtsdestotrotz kann es jedoch zu Infektionen kommen, die dann allerdings zumeist ohne oder mit nur milder Symptomatik einhergehen. Kein Impfstoff schützt zu 100 Prozent und gerade ältere oder immungeschwächte Personen entwickeln oft nicht die gewünschte Immunantwort. Dies ist für alle Impfungen und nicht nur für die SARS-CoV-2-Impfung bekannt. Selbstverständlich werden SARS-CoV-2-Impfdurchbrüche näher untersucht. Das RKI führt eine entsprechende Studie durch, an der auch die sächsischen Gesundheitsämter beteiligt sind. Bisher wurde keine Todesfälle übermittelt, bei denen die Betroffenen einen vollständigen Impfschutz aufgewiesen haben. 

5. Können Sie uns eine Einschätzung geben, wie hoch die Quote von Nebenwirkungen bei den verwendeten Impfstoffen in Sachsensind? (Welche Nebenwirkungen treten auf, sind die Nebenwirkungen bei jüngeren Menschen gefährlicher als bei den älteren?)

Der Nutzen der Corona-Impfung für den Einzelnen und für die Allgemeinheit überwiegt die möglichen Risiken: Zu diesem Schluss kommen unter anderem die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und auch nationale Behörden wie das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland. Erst nach strenger klinischer Prüfung an großen Gruppen von Freiwilligen wurden die Impfstoffe in Europa zugelassen. 

Dass nach einer Impfung bestimmte Nebenwirkungen auftreten, ist erwünscht und zeigt an, dass der Körper auf den Impfstoff reagiert und Abwehrstoffe bildet. Meist sind diese Impfreaktionen leicht und legen sich innerhalb einiger Tage wieder. Die Arzneimittel werden aber auch nach der Zulassung weiter aktiv überwacht, sodass hier immer mehr Erkenntnisse auch zur Langzeitsicherheit in den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gewonnen werden. 

6. Wie viele Menschen in Sachsen haben durch die Impfung bisher einen sogenannten Impfschaden erhalten? Wie wird das festgestellt und können Sie die Quote anhand der Zahl der geimpften Personen für die Eltern einordnen?

Mit Datenstand vom 16.04.2021 wurden der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen (LUA) durch die sächsischen Gesundheitsämter bisher 40 Impfschadensverdachtsfälle nach COVID-19 Impfung übermittelt. Davon 30 nach Impfung mit Comirnaty (BioNTech Pfizer), 6 nach Impfung mit der COVID-19 Vaccine AstraZeneca, 2 nach Impfung mit der COVID-19 Vaccine Moderna und 2 Fälle ohne Angabe des verwendeten Impfstoffs, wobei hier anhand des Impfdatums ein mRNA-Impfstoff anzunehmen ist. 

Acht Patienten im Alter von 56, 75, 81, 83, 85, 86, 87 und 91 Jahren verstarben im zeitlichen Zusammenhang mit einer Comirnaty (BioNTechPfizer)-Impfung. Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit einer AstraZeneca-Impfung in Sachsen wurden bis dato nicht an die LUA Sachsen übermittelt.

7. Warum gibt es in Deutschland weniger Impfstoff als in anderen Ländern?

Im Auftrag der Mitgliedstaaten hat die EU-Kommission zentral Verträge mit Herstellern geschlossen. In Zeiten der weltweiten Pandemie sollten nationale Alleingänge wirkungsvollen Gesundheitsschutz verhindern. Einen Überblick über die Lieferprognosen der Hersteller sind unter folgendem Link abrufbar: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles. Es war immer klar, dass mit Erteilung einer Zulassung noch nicht sofort genügend Impfstoff für alle vorhanden sein kann. Der Impfstoff ist überall auf der Welt zu Anfang knapp. Grund dafür sind die hohe Nachfrage und die begrenzten Produktionskapazitäten, nicht die Gesamtbestellmenge. Darum war und ist es nötig, zu Beginn zu priorisieren. 

8. Ist es richtig, dass man, nach überstandener Corona-Infektion nur 1x geimpft werden muss?

Ja. Die STIKO hat ihre Impfempfehlung für Genesene auf Grundlage neuer Daten zur Immunogenität der COVID-19-Impfung bei von einer SARS-CoV-2-Infektion Genesenen aktualisiert. Bei immungesunden Personen, die eine labordiagnostische gesicherte SARS-CoV-2-Infektion (PCR-bestätigt) durchgemacht haben, sollte eine einmalige Impfung frühestens 6 Monate nach Genesung erwogen werden. Aufgrund der bestehenden Immunität nach durchgemachter Infektion kommt es durch die 1-malige Boosterung durch die Impfung zu einer sehr guten Immunantwort. Für die Impfung von Genesenen können alle zugelassenen COVID-19-Impfstoffe verwendet werden. 

9. Wenn man schon einmal infiziert war, kann man dann einen Antikörpertest machen lassen? Evtl. kann so eine weitere Impfung verzögert und erst bei geringer Antikörperkonzentration verabreicht werden.

Die STIKO empfiehlt bei den COVID-19-Impfungen keine Prüfung des Impferfolgs, weder nach der 1. Impfstoffdosis noch nach der 2. Impfstoffdosis. Derzeit sind für Geimpfte keine serologischen Korrelate definiert, die als Surrogatmarker für bestehende Immunität geeignet wären, sodass kein Schwellenwert angegeben werden kann, ab dem ein sicherer Schutz angenommen wird. Zudem wird unabhängig vom Vorhandensein von Antikörpern nach Impfung eine zelluläre Immunität aufgebaut. Ob im weiteren Verlauf ein serologisches Korrelat für die Wirksamkeit definiert werden kann ist unsicher; auch bei anderen impfpräventablen Krankheiten (z.B. Pertussis) kann bisher kein sicheres serologisches Korrelat für Schutz angegeben werden.  

10. Stimmt es, dass man sich in Zukunft jedes Jahr neu impfen lassen muss? Reicht dann eine Auffrischung oder muss wieder mehrfach geimpft werden?

Für die COVID-19-Impfstoffe liegen aktuell noch keine Daten vor, ob und ggf. in welchem Zeitabstand eine Auffrischimpfung notwendig sein wird. Die Beantwortung dieser Frage hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Dauer des Impfschutzes nach primärer Impfserie, der Wirkweise des Impfstoffs, möglicher Immunitätsentwicklung gegen Impfstoffkomponenten oder der Wirksamkeit gegen neue Virusmutationen. Bei vielen Standard- oder Indikationsimpfungen ist empfohlen, nach einem bestimmten Zeitintervall eine Auffrischimpfung zum Erhalt des Impfschutzes durchzuführen. 

Vielen Dank!

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