Kaleidoskop

Ab aufs Land – die Raumpionierstation Oberlausitz begleitet Euch auf Eurem Weg

Arielle Kohlschmidt · 25.07.2019

Fotos: Celine Wünsche // Blendwerk

Fotos: Celine Wünsche // Blendwerk

2. Landebahn für Landlustige am 28.9.2019 im Kühlhaus in Görlitz

es ist soweit: Das Programm für die 2. Landebahn für Landlustige am 28. September 2019 im Kühlhaus in Görlitz steht und wir freuen uns schon sehr. Das Kühlhaus ist ein unglaublich inspirierender Ort, an dem sich gerade eine Menge entwickelt, und der Berzdorfer See ist ganz nah. Aber von vorn:

Die Landebahn für Landlustige bietet eine Brücke aus der Stadt in den ländlichen Raum. Hier teilen bereits angekommene Raumpioniere ihre Erfahrungen mit interessierten Neuen, es gibt Input zum Thema Landleben und natürlich viel Zeit zum Austausch.

Wir starten 13 Uhr und enden gegen 20 Uhr.

Hier ist unser Porgramm:

  • Andreas Willisch, Biobauer und Soziologe am Thünen Institut erzählt uns wie das Land lebt.
  • Katja Müller von der Zukunftswerkstatt Lausitz teilt ihr Wissen über die Möglichkeiten des Strukturwandels.
  • Die Neustädter Spinnerei bietet einen Workshop an zum Thema: „Wie starte ich ein Hofprojekt“
  • Anja Nixdorf-Munkwitz erzählt uns von Ihrem Leerstandsportal. Gleichsam sorgt sie mit ihrem Kulinarik Projekt „Ein Korb im Glück“ für ein 100% regionales, saisonales, faires Bio-Catering.
  • Danilo Kuscher macht eine Führung über das Kühlhaus-Gelände
  • Wir zeigen die Ausstellung der Robert-Bosch-Stiftung zu den Neulandgewinnern.
  • Das Fabmobil ist vor Ort.
  • Und natürlich wird es wieder ein Podiumsgespräch geben und Fragen werden beantwortet.

Der Eintritt ist frei. Aber eine Anmeldung (willkommen@raumpioniere-oberlausitz.de) ist unbedingt erforderlich. Ebenso für den Workshop.

 

Als ich so etwa 30 Jahre alt wurde, stieg immer wieder ein Wunsch in mir auf: Ich möchte eine eigene Familie gründen. Wenn ich mir ausmalte, wie dies sein könnte, dann erinnerte ich mich immer an Astrid Lindgrens „Die Kinder von Bullerbü“: Eine kleine Kinderbande erlebt die schönsten Abenteuer in einem kleinen Dorf im ländlichen Nirgendwo. Die Kinder sind meistens draußen, von Mama gibt es Proviant, niemand muss auf sie aufpassen und jeder Tag ist ein kleines Fest.


Arielle Kohlschmidt und Jan Hufenbach

Da ich selbst in Cottbus und Berlin aufgewachsen bin, später auch in Dresden lebte, hatte ich keine Ahnung vom Landleben, aber die Sehnsucht brannte immer stärker in mir. Denn immer, wenn ich die Stadt Richtung Land verließ, dann fühlte ich mich einfach am richtigen Ort: Die Wiesen, Wälder und Seen luden mich zu langen Spaziergängen ein und öffneten mein Herz, die Luft roch fantastisch und ich fragte mich, warum ich nicht gleich da blieb. Nicht lange später machte ich mich auf den Weg, zog aufs Land ohne viel zu planen und sprang ins kalte Wasser. Und wie es so mit kaltem Wasser ist, es ist schön und nicht ganz so schön zugleich und dabei unheimlich aktivierend. Und so erfuhr ich recht bald: Landleben ist das, was Du draus machst. Das könnte man zum Stadtleben auch sagen, aber auf dem Land ist das einfach der Kern: Was Du nicht reinsteckst, wird auch nicht drin sein oder rauskommen oder schon gar nicht wachsen.

Sag ade zum Konsumieren. Wenn es im Winter um halb vier dunkel ist, dann musst Du Dich auf Dich selbst besinnen und wissen, was Dich durch den Tag trägt. (Sobald man Kinder hat, ist diese Frage natürlich sofort gelöst.) Wenn Du das ganz in seiner Tiefe verstanden und akzeptiert hast, dann beschenkt das Landleben Dich reichlich.

Ich zum Beispiel hatte nach meinem Umzug von der Stadt aufs Land Lust auf Kundalini Yoga. Nur: Das gab es weit und breit nicht. Also habe ich selbst eine Ausbildung zur Kundalini Yogalehrerin gemacht. Inzwischen ist einer meiner Teilnehmer dem gefolgt und so kann ich auch zur Yogastunde gehen. Sicher, das hat Jahre gedauert, aber es ist wundervoll, Teil dieses Schaffens und Wachsens zu sein.

Besonders in der ersten Zeit hatte ich immer wieder mal das Gefühl: Puuh, jetzt bist Du hier am Ende der Welt gelandet, weit weg von allem, was als Zukunft verstanden wird. Als ich dann selbst mit einem Sohn beschenkt wurde, merkte ich: Genau deswegen ziehen Familien aufs Land, weil sie hier die Zeit um 10, 15 Jahre zurückdrehen können und sie mit ihren Kindern ein langsameres, entspannteres Leben genießen können.

Ein Freund hat mal gesagt: „Landleben ist nicht nur der hübsche Sonnenuntergang am Abend, sondern auch viel Matsch am Morgen.“ Du kriegst nicht nur das Filet, sondern das ganze Schwein und Du wirst immer Dein eigener Hausmeister sein: Ist die Heizung kaputt, wer kümmert sich? Na klar, Du! Ist die Abwasser-Leitung verstopft und es stinkt erbärmlich – ebenso. Dafür kommen keine Briefe vom Vermieter mit Mieterhöhungen an. Und Du kannst – mal von den Grundkosten abgesehen – selbst planen, ob Du noch eine Weile in dem nicht gerade hübschen, aber funktionsfähigen Bad des Vorbesitzers wohnen bleibst oder ob Du Geld für neue Träume hast. Und wenn das Glück Dir letzteres beschert, dann rechne damit, dass es nicht nur mehr Nerven, sondern auch wahrscheinlich das Doppelte kosten wird, was Du Dir mal zusammengerechnet hast.

Landleben ist Glück und Fluch zugleich. Landleben ist eine Entscheidung.

Wenn ich heute einen Tag in der Stadt war und am Bahnhof mit Bedarfshalt aussteige, dann entfährt mir ein großes Aaaah. Die Aaa-nspannung entweicht, duftende Luft streichelt meine Haut und Mutter Erde schließt mich wieder in ihre erdigen Arme. Weite öffnet mein Herz und ich fühle eine große Freiheit. Ich bin hier ein Mensch in einer Umgebung, die mir entspricht: Wälder, Wiesen, Seen, Tiere, ganz viel Himmel und darunter ich.

Wer auch immer von Euch den Wunsch des Landlebens in sich trägt und sich durch meine Zeilen angesprochen fühlt, der melde sich bei uns. Wir begleiten und beraten mit unserem Projekt Raumpionierstation Oberlausitz Menschen, die in die Lausitz ziehen wollen. Dafür bauen wir vor Ort ein Netzwerk von bereits hier lebenden Raumpionieren auf und organisieren Veranstaltungen zum Austausch, wie demnächst diese:

 

 

Raumpionierberatung in der Neustadt in Dresden am 17.8.2019

Arielle & Jan von der Raumpionierstation Oberlausitz (www.raumpioniere-oberlausitz.de) kommen am 17.8.2019 mit dem Raumpioniermobil (einer alten Feuerwehr) und weiteren Raumpionieren in die Neustadt nach Dresden, um landlustige Dresdner zu beraten und von Ihrem Leben als ehemalige Städter auf dem Land zu erzählen.

14-16 Uhr mit dem Raumpioniermobil auf dem Alaunplatz, Höhe Görlitzer Straße

17-18.30 Uhr meetup im Kunsthaus Dresden: Hier läuft die Ausstellung „Nachbarschaften“, die die Beziehung Stadt/Land untersucht und für die Jan ein Objekt entwickelt hat. Wir erzählen von unserem Weg aufs Land, wie es uns dort ergangen ist und stehen für all Eure Fragen zum Thema Landleben bereit.

Kategorien: Kaleidoskop , Job und Familie