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Immer für euch da

Adina Schütze · 05.05.2020

Die aktuellen Maßnahmen, die aus der Ausbreitung von COVID-19 (Corona-Virus) resultieren, belasten Familien, Kinder und Jugendliche besonders stark. Wenn der Kontakt zu Gleichaltrigen und Freunden fehlt, das Familiensystem durch die abzusichernde Betreuung stark beansprucht ist und der eigene Bewegungsradius eingeschränkt wird, können Spannungen und Konflikte entstehen. Um hier verstärkt beratend zur Seite zu stehen, leisten die Jugendämter so Einiges. Kind+Kegel hat sich mit Dresdens Jugendamtsleiterin Sylvia Lemm über die besonderen Herausforderungen in der momentanen Situation unterhalten.

Frau Lemm, welche direkten Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Arbeit des Jugendamtes? Ist Ihre tägliche Arbeit mit Familien, Kindern und Jugendlichen verändert oder erschwert? Können persönliche Kontakte weiterhin stattfinden?
 
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes arbeiten seit 23. März im Notbetrieb. Das bedeutet, dass wir fast ausschließlich per Telefon oder E-Mail beraten. In dringenden, unaufschiebbaren Fällen oder Angelegenheiten, die eine persönliche Vorsprache erfordern, vereinbaren wir einen Termin. Der persönliche Kontakt zu den Familien ist für unsere Arbeit wichtig, aber momentan müssen wir das Ansteckungsrisiko minimieren und die Familien und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen. Unabhängig dieser geänderten Arbeitsweise sind wir natürlich weiter in den Familien unterwegs, wo wir Abprüfungen hinsichtlich möglicher Kindeswohlgefährdungen vornehmen müssen. Das geht ausschließlich im direkten Kontakt.

Wie läuft das denn konkret ab?

In vielen Bereichen ist diese neue Arbeitsweise sehr gut umsetzbar. Zum Beispiel befinden sich alle Informationen und die Online-Formulare für Anträge auf Elterngeld, Unterhaltsvorschuss oder Ausbildungsförderung auf unseren Internetseiten. Die Unterlagen können mit der Post zu uns geschickt werden und wenn Fragen auftreten, kann eine telefonische Beratung erfolgen. Schwieriger wird es, wenn das Sorgerecht oder eine Vaterschaftsanerkennung beurkundet werden muss. Beurkundungen können nur persönlich vor Ort erfolgen. Hierzu müssen die Eltern vorher einen Termin vereinbaren und alle notwendigen Unterlagen einreichen. Wir prüfen diese dann und priorisieren die einzelnen Anfragen, d. h. wenn jemand erst im August einen Entbindungstermin hat und jetzt schon die Vaterschaft anerkennen lassen möchte, hat das meistens noch Zeit und er wird jetzt keinen Termin bekommen. Im Jugendamt im Seidnitz Center sorgen wir dann dafür, dass die Abstands- und Hygienereglungen eingehalten werden. Die Familien gehen nicht in ein kleines Büro zum Mitarbeiter, sondern die Beurkundung findet im Wartebereich, also in einem größerem Raum, statt.

Familien mit Kindern sind durch Schul- und Kitaschließungen besonders belastet. Welche Hilfen bieten Sie Familien an, die mit der Dauerbelastung Schwierigkeiten haben?
 
Die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus ist für alle Lebensreiche eine Herausforderung. Es ist richtig, dass Familien, Kinder und Jugendliche in diesen Zeiten besonders belastet sind. Um hier beratend zur Seite zu stehen, hat das Jugendamt eine Beratungshotline geschaltet. Unsere versierten Fachkräfte stehen von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr und am Freitag von 8 bis 14 Uhr unter der Rufnummer (03 51) 4 88 4741 zur Verfügung. Neben Fragen zu den wichtigsten Leistungsbereichen des Jugendamtes, wie Elterngeld, Unterhaltsvorschuss und Beurkundungen, beraten sie rund um das familiäre Zusammenleben. Über diese Hotline sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes und der Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Familien erreichbar. Sie beraten am Telefon kostenlos und vertraulich, bieten Konfliktlösungsstrategien und helfen bei vielen großen und kleinen Problemen. Durch veränderte Familiensituationen steigt erfahrungsgemäß die psychosoziale Belastung von Familien, was sich insgesamt auf das Erziehungsverhalten und den innerfamiliären Umgang mit Konflikten auswirken kann. Ein großer Unterstützungs- bzw. Informationsbedarf besteht derzeit beim Thema Umgang zwischen den Kindern und ihren getrennt lebenden Elternteilen.

Haben Sie Ratschläge für Familien mit größeren Kindern, die nun die Abschlussprüfungen schreiben und noch nicht wissen, wie es nach der Schule weitergeht?
 
Jugendliche, die noch nicht wissen, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollen, können sich an das JugendBeratungsCenter wenden. Das ist eine Kooperation des Jugendamtes mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit. Die Kolleginnen und Kollegen beraten zu Fragen rund ums Thema Ausbildung, Finanzierung und Überbrückungsmöglichkeiten. Sie bieten beispielsweise Tests an, um Stärken und Schwächen herauszuarbeiten, und informieren zum freiwilligen sozialen Jahr. Derzeit beraten sie nur telefonisch unter (03 51) 4 88 56 80, per E-Mail jbc@dresden.de und über die anonyme Online-Beratung auf der Internetseite https://jugendinfoservice.dresden.de.

Wird in diesem Jahr das Ferienfest auf dem Gelände der Filmnächte am Elbufer stattfinden können?

Nein, leider nicht. Dieses große Familienfest sollte zum Ferienbeginn am 19. Juli stattfinden. Im letzten Jahr waren rund 9 000 Besucherinnen und Besucher auf dem Festgelände. Das sind in Corona-Zeiten zu viele an einem Ort. Wir bereiten aber weiterhin den Ferienpass vor und hoffen, dass die darin veröffentlichten kleineren Veranstaltungen in den Sommerferien durchgeführt werden können. Vielleicht verreisen in diesem Sommer weniger Dresdner Familien und sind froh, wenn die Kinder die Ferienangebote in unserer Stadt nutzen können. Der Verkaufsstart des Ferienpasses ist sechs Wochen vor Ferienbeginn. Wir möchten, dass die Kinder wunderschöne, hoffentlich unbeschwerte Ferien erleben und die Familien auf diese Weise unterstützen.

Informationen des Jugendamtes findet ihr auf der Internetseite:
www.dresden.de/jugendamt

Mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt Dresden.

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