Chemnitz NEWS

Nachwuchs bei hochbedrohter Primaten-Art

Stadt Chemnitz · 21.08.2020

Foto: Stefanie Große

Foto: Stefanie Große

Ende Juli gab es eine freudige Überraschung im Krallenaffenhaus des Chemnitzer Tierparks. Das seit Anfang des Jahres zusammenlebende Zuchtpärchen bei den Lisztaffen hat zum ersten Mal Jungtiere bekommen. Und das gleich in doppelter Ausführung - Zwillingsgeburten sind hier nämlich keine Seltenheit, sondern die Regel.

Wie bei Krallenaffen üblich, zu denen die Lisztaffen systematisch gehören, trägt auch hier der Vater die meiste Zeit die Jungen. Die Mitarbeit der anderen Familienmitglieder bei der Aufzucht der Jungtiere ist eine Besonderheit von Krallenaffen. Zum einen erhöhen sich so die Überlebenschancen für den Nachwuchs, zum anderen können die älteren Geschwister, die oft noch einige Zeit in der Familiengruppe bleiben, Erfahrungen in der Jungenaufzucht sammeln. Letztlich wird auch das Weibchen entlastet, da die Jungen der Mutter nur zum Säugen übergeben werden.

Das Krallenaffenhaus ist zur Zeit für Besucher nicht zugänglich, aber die Tiere sind häufig auf der Außenanlage zu sehen.

Hintergrund: Lisztaffen

Lisztaffen stehen auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten der IUCN und werden als vom Aussterben bedroht eingestuft – der stärksten von drei Gefährdungskategorien. Der Bestand der ausschließlich in Kolumbien beheimateten Art ist in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Hauptverantwortlich für diesen Rückgang in der Gesamtpopulation ist wie so oft die fortschreitende Zerstörung des Lebensraumes. Umso wichtiger ist das erfolgreiche und koordinierte Nachzüchten von bedrohten Tierarten wie den Lisztaffen. Im Tierpark Chemnitz wird diese Art schon viele Jahre erfolgreich gehalten und gezüchtet.

Foto: Stefanie Große

Mit ihrem auffälligen Erscheinungsbild sind Lisztaffen eine sehr attraktive Art, die sich bestens als Botschafter für Natur- und Artenschutzprojekte in ihrer Heimat eignet. Denn auch die Aufklärung gehört zu den wichtigen Aufgaben zoologischer Einrichtungen. Ihren deutschen Trivialnamen verdanken die Lisztaffen übrigens ihrer Frisur-Ähnlichkeit mit dem ungarischen Komponisten Franz Liszt. Im Englischen werden sie als „Cotton-top“ bezeichnet, da das Kopffell auch an Baumwolle erinnert.

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