Stadtgespräch

Schwärmen für die Marktschwärmer

Kathrin Muysers (km) · 28.02.2019

Marktschwärmer-Gastgeberin Fanny Schiel, Foto: Amac Garbe

Marktschwärmer-Gastgeberin Fanny Schiel, Foto: Amac Garbe

Ein Hinterhof in der Dresdner Neustadt, der einem nicht unbedingt auffällt. Neonfarbene Schrift in der Nacht. Eine Menschenschlange. Doch die, die hier vor dem „Club Kwang Lee“ warten, sind nicht auf der Suche nach fetten Beats und coolen Drinks. Am Einlass gibt es weder Türsteher, noch ein Codewort. Auch keine „heiße Ware“. Warum also dieser Andrang?

Fanny Schiel bringt Licht in die Sache: „Die stehen wegen der Milch an. Nicht jeder hat gleich den Euro für's Pfand parat. Da müssen wir noch ein wenig feilen.“ Mit dem Button am Revers, auf dem schlicht „FANNY“ steht, ist sie die Ansprechpartnerin für Alle, die das Konzept „Marktschwärmer“ neugierig gemacht hat: „Kaufe ein, wann du willst und was du willst: Obst und Gemüse, Käse, Fleisch, Brot, Getränke und noch viel mehr ... Du bleibst immer flexibel, ohne Mitgliedsbeitrag oder Mindestbestellwert.“

Kaum eine Minute vergeht, ohne dass jemand an Fannys Schürze zupft, sie mit großem Hallo begrüßt oder sich mit einem Lächeln verabschiedet – „Bis nächste Woche!“. Man scheint sich zu kennen und zu mögen. Offenbar finden viele die Idee ansprechend, diese Unverbindlichkeit auf Kundenseite mit einer großen Verbindlichkeit auf Händlerseite zu paaren. Denn die Verkäufer, die hier an schlichten Tischen ihre Waren feil bieten, sind Produzenten aus der Region, die hier zuvor individuell bestellte Waren direkt an die Kunden abgeben. Das geht ganz unkompliziert mittels Nennung der Bestellnummer.

Tatsächlich ist es ein gutes Gefühl zu wissen: die hat mein Pesto gerührt, und der hat meine Eier aus dem Stall geholt. Neben dieser persönlichen „Connection“ ist es das Wissen, dass bei der Auswahl der Anbieter Prinzipien wie Regionalität und Nachhaltigkeit groß geschrieben werden. „15 Erzeuger, 303 Produkte, 14 km durchschnittliche Entfernung“, gibt die Website Auskunft über jeden Verkaufstermin. Transparenter geht es kaum. Kein Wunder, dass die „Neuse“ neben Friedrichstadt und Striesen nun schon der dritte Dresdner Stadtteil ist, an dem eine Marktschwärmer-Zweigstelle eröffnet hat. Und wie es sich für ein Kneipenviertel gehört, kann man sogar sonntags bis nachts um drei bestellen, was man am Dienstag darauf abholt.

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