Kindergeburtstag

Geburtstagskuchen der Extraklasse

Maria Grahl (mg) · 27.04.2018

Wie ich eine Angebertorte kreierte und keiner sie essen wollte. Quelle: Pixabay.com_z0man

Wie ich eine Angebertorte kreierte und keiner sie essen wollte. Quelle: Pixabay.com_z0man

Alle Eltern, besonders Mütter, sind in Zeiten des Internets ständig mit ihnen konfrontiert: den perfekten anderen Eltern. Sie designen die stylichsten Kinderzimmer, scheuen weder Kosten noch Mühen, die abgefahrensten Sachen mit dem Nachwuchs zu basteln und sie kreieren Geburtstagstorten, die andere vor Neid erblassen lassen.

Damit alle Welt an derem perfekten Leben teilnehmen kann, posten sie all das auf Facebook, Instagram oder Pinterest. „Das kann ich auch“, dachte ich mir beim letzten Geburtstag meiner Kinder. Plötzlich googelte ich, die sonst Tiefkühlpizza schon für eine kulinarische Spezialität hält, nach „Fondant“, „Ganache“ und „Frosting“. Bei Youtube schaute ich mir Tutorials an, wie hübsche Frauen mit einer sauberen Schürze und Küchen so groß wie mein Wohnzimmer und Schlafzimmer zusammen, im Handumdrehen einen wunderschönen Fondantkuchen herstellten. „Kann ja nicht so schwer sein“, folgerte ich und kaufte im Wert von 50 Euro alle Zutaten ein, die man so braucht.

Dann rückte der große Tag näher und zu meinem Glück fragte ich vorher noch einmal in einer Backgruppe bei Facebook nach, wie viel Zeit man wohl für einen Angeberkuchen einplanen müsste. „Fang am besten zwei Tage vorher an. Nein, lieber drei“, war die weitläufige Meinung. Eigentlich wollte ich als Basis einen Quarkkuchen backen. Doch das Internet warnte: „Viel zu feucht! Etwas Trockenes muss darunter. Ich buk also einen Biskquit, den trockensten Kuchen, den man gerade so noch essen kann und bestrich ihn in der Mitte mit Marmelade.

Dann kam der zweite Streich: die Ganache. Für alle, die nicht wissen, was das ist: geschmolzene und mit Sahne vermischte Kuvertüre, die als Basis unter das Fondant kommt. Dieses soll schließlich schön glatt werden und nicht austrocknen. Hier kam ich das erste Mal an meine Grenzen. Die Ganache war im Kühlschrank so fest geworden, dass ich sie kaum aus der Dose bekam. Nach einer kurzen Runde in der Mikrowelle, war sie aber so flüssig, dass sie nicht am Kuchen hielt. Ich entschloss mich dafür, den Kuchen in der Ganache zu ertränken und schnell wieder in den Kühlschrank zu stellen.

Einen Tag später war die Ganache irgendwie am Kuchen dran. Und meine fünf Quadratmeter große Küche glich einem Schlachtfeld. Nun kam das Fondant. Als ich die weiße, zähe Masse aus der Folie löste, schlug mir ein süßlicher, chemischer Geruch entgegen. Ich kämpfte gegen den Impuls an, zu würgen und färbte die Masse nach Anleitung in einen schönen Pinkton ein. Noch ein letztes Youtube-Video zum Thema „Fondant ausrollen und auflegen“ und fertig bin ich. Dachte ich. „Wir benutzen zum Ausrollen ein wenig Mehl“, sagte eine etwas ältere Frau aus meinem Handy heraus. „Aber wirklich nur wenig. Fondant ist schließlich kein Pizzateig“, ermahnte sie. Ich krümelte kleine Prisen Mehl auf den Tisch und rollte eine  Fläche aus. Das Fondat klebte überall. Am Nudelholz und am Tisch. „Nimm mehr Mehl“, sagte Facebook. „Ganz viel davon!“ Ich nahm ganz viel Mehl und endlich gelang das Ausrollen. Drei Versuche und Risse später, war das Fondant auf dem Kuchen und sah dort ziemlich gut aus. Ich steckte noch eine Kerze darauf und pappte mit zwei Kilo Zuckerguss Blümchen und eine Barbie daran fest, die meine Tochter sich gewünscht hatte – und fertig war der Angeberkuchen.

Es war nachts halb 1 und tatsächlich waren drei Tage vergangen, seit ich den Biskquitteig angerührt hatte. Zufrieden machte ich ein Foto, lud es bei Facebook hoch und bekam viele Likes. Yeah. Als meine Tochter am nächsten Morgen erwachte, freute sie sich ein Loch in den Bauch, als sie den Kuchen sah. „Genau sowas habe ich mir gewünscht“, strahlte sie. Die Freude hielt so lange, bis sie den Kuchen essen sollte. „Mama, das schmeckt eklig“, sagte sie und rümpfte die Nase.

Ich musste ihr leider zustimmen. Der Kuchen schmeckte nach einem trockenen Klumpen Zucker. Viel Zucker. Auch der Besuch am Nachmittag war äußerst unbegeistert, als er den ersten Bissen probiert hatte. Mit so wenig verspeistem Kuchen hatte ich noch keine Geburtstagsfeier über die Bühne gebracht. Nach drei Tagen war noch ein Viertel des Kuchens übrig. Wir erlösten schließlich alle Gäste und uns selbst und taten ihn in den Müll.

Weil aber mein Sohn fünf Tage später auch Geburtstag hatte und natürlich nicht zu kurz kommen sollte, designte ich erneut einen Angeberkuchen, der ebenfalls nicht schmeckte. Aber toll sah er aus! Die Oma bot an, nachdem sie aus Solidarität auch dieses Foto bei Facebook geliked hatte, für die Feier doch gern selbst einen Kuchen mitbringen zu können. Der einfache Blechkuchen war nach einer Stunde aufgegessen. Die Hälfte des Angeberkuchens warf ich später in den Müll und gab meinem Mann das Versprechen, nie wieder so viel Geld für einen geschmacklich so fragwürdigen Kuchen auszugeben. Aber die Likes auf Facebook waren es wert.

Und so sahen die Kuchen aus:

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