Kaleidoskop

Beruf: Papa, Hobby: Spitzensport

Kathrin Muysers (km) · 27.11.2017

Tobias Angerer, Foto: Ernst Wukits

Tobias Angerer, Foto: Ernst Wukits

Wenn am Wochenende 13./14. Januar 2018 zum ersten Mal der FIS Skilanglauf-Sprint-Weltcup in Dresden stattfindet, wird einer sich ganz besonders freuen: Tobias Angerer. Der 1977 im bayerischen Traunstein geborene Skilangläufer, der während seiner aktiven Zeit insgesamt elf Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewann, findet: „Stadtweltcups sind was Tolles!“ Gern erinnert er sich an „seinen“ ersten Skilanglauf-Weltcup in Düsseldorf, an dessen Rheinuferpromenade das Event von 2002/03 bis 2011/12 stattfand und die damals noch junge Disziplin Langlauf-Sprint bekannter machte: „Während in Wintersportorten wie Oberhof und Oberwiesenthal die Zuschauer zum Sport strömen, geht hier der Weltklassesport auf sein Publikum zu und schafft sich so auch neue Fans. Und in Dresden kommt noch die einmalige Kulisse des Königs- und Terrassenufers hinzu!“


Angereres Begeisterung für Dresden kommt nicht von ungefähr: seine Ehefrau Romy Gross-Angerer, als ehemalige Biathletin ebenfalls wintersportaffin, hatte Mitte der Neunziger Jahre an der TU Dresden studiert. Zu der Zeit, als sich das Paar kennenlernte, arbeitete sie als Rechtsanwältin in Dresden.

Doch nicht alle teilten anfänglich die Begeisterung Angerers und des Weltcup-Ausrichters CitySki GmbH. Wie in Dresden üblich, wurde der Mehrwert einer solchen Veranstaltung rege diskutiert. Die Veranstalter überzeugten den Stadtrat jedoch mit einem Konzept der größtmöglichen Nachhaltigkeit.

Der „Green Events“-Leitfaden des Internationalen Skiverbandes FIS empfiehlt hierfür unter anderem kurze Wege – das heißt, das Athleten-Hotel, die Wettkampfstrecke, das Service-Areal und die Ski-Arena sind für Sportler, Betreuer und Medien binnen fünf Minuten zu Fuß erreichbar. Und dank der urbanen Infrastruktur kann der Skiweltcup Dresden für sich eine gute CO2-Bilanz verbuchen: Tausende Zuschauer können problemlos zu Fuß, per Rad oder mit dem ÖPNV anreisen, statt mit Autos oder Bussen ins Gebirge zu fahren. Überdies wird der Kunstschnee vor Ort am Dresdner Flughafen produziert.

Neben dem Umweltschutz an sich fällt vor allem die Nachnutzung der Infrastruktur zur Nachwuchsförderung positiv ins Gewicht. So wird sich die Weltcup-Ski-Arena in der Woche nach dem Weltcup in eine Open-Air-Schulsporthalle verwandeln, in der Kinder aus Dresden und den umliegenden Landkreisen fünf Tage lang betreut von erfahrenen Trainern des Sächsischen Skiverbandes eine Schulsportstunde auf Ski erleben können.

Kurzer Exkurs: es ist noch gar nicht so lange her, dass Supermodel Naomi Campbell für einen knapp viertelstündigen Auftritt auf dem SemperOpernball, nach dessen Ende sie mit Privatjet sofort wieder abdüste, eine Gage von 60.000 Euro verlangte. Tobias Angerer sind solche Starallüren fremd. Er wird es sich nicht nehmen lassen, auch nach dem Ende des eigentlichen Wettkampfes nicht sofort wieder abzureisen, sondern die ganze Woche über während der Schulsport-Events, des Paralympischen Tags und des Internationalen Sachsen-Cups präsent zu sein. Denn als Sportler und  Vater dreier Kinder (Ioanna, 13; Karlotta, 9 und Jonathan, 6) liegt Angerer die Nachwuchsförderung am Herzen.

Und wie begeistert man im Hause Angerer die Kids für Sport? „Bei uns hat sich ein gesunder Mittelweg aus Vorschlagen und in Ruhe lassen bewährt. Sowohl ich als auch meine aus dem Erzgebirge stammende Frau Romy wuchsen in sportbegeisterten Elternhäusern auf, in denen „learning by doing“ praktiziert wurde.

Auf moderne Ablenkungen wie Fernsehen und Internet angesprochen, bleibt der Profi-Papa entspannt: „Es darf auch mal eine Stunde ferngesehen werden.“ Dem gegenüber stehen aktive Angebote wie gemeinsame Rad- oder Wandertouren. Begeistert ist die Familie vom Geocachen.

Überhaupt ist Angerer froh, nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn im Jahr 2014 endlich seine Kinder aufwachsen zu sehen. „Im Spitzensport ist die Vereinbarkeit von Karriere und Familie eine echte Herausforderung. Zeitweise war ich 180 bis 200 Tage im Jahr unterwegs, während meine Frau beruflich kürzer trat. Mittlerweile können wir Beide sehr gut Familie und Arbeit unter einen Hut bringen und gemeinsam Zeit mit unseren Kindern verbringen.“ Däumchen drehen ist indes auch bei Tobias Angerer nicht angesagt. Denn der Vierzigjährige möchte sein Promotionsstudium abschließen – und sich weiter aktiv für den Wintersport einsetzen.

Eine Woche im winterlichen Dresden dürfte da eine willkommene Abwechslung darstellen. Kind + Kegel wünscht Tobias Angerer schöne Erlebnisse in unserer Stadt.

https://www.skiweltcup-dresden.de/startseite/
http://www.skiverbandsachsen.de/

Kategorien: Kaleidoskop , Job und Familie