Kaleidoskop

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Nora Stankewitz (ns) · 23.02.2018

Maria Pattis

Maria Pattis

MARIO PATTIS
1994 vergab der Guide Michelin erstmals einen Stern in die neuen Bundesländer. Dieser ging an den Dresdner Mario Pattis, dessen Küche traditionelle Gerichte mit modernen Elementen spielerisch verbindet. Seit August letzten Jahres begeistert er die Gäste der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in seinem Restaurant e-VITRUM.

Welcher war dein absoluter Lieblingsort in deiner Kindheit?

In meiner Kindheit war ich am liebsten bei meinen Großeltern auf dem Land in der Nähe von Bautzen. Ich habe oft meinem Großvater dabei geholfen, die Tiere zu füttern und die Felder in Ordnung zu halten. So habe ich sehr früh gelernt, wo die Rohstoffe her kommen, die ich heute verwende.

Welches Essen aus deiner Kindheit würdest du heute nicht mehr anrühren?

Es gibt eigentlich kein Essen, das ich nicht gerne esse, solange es gut gemacht ist. So mag ich die Kutteln meines Vaters nicht unbedingt, aber Kalbskutteln in Champagnersoße sind ein echter Genuss. Auch den Linseneintopf aus der Schulspeisung möchte ich so nicht mehr essen. Gibt es einen Geschmack aus deiner Kindheit, den du vermisst? Wenn ich so zurückdenke, vermisse ich die Senfsoße meiner Mutter. Es war eine Art Tradition bei uns: Samstags gab es Senfsoße mit Ei. Bis heute macht keiner eine so gute Senfsoße wie meine Mutter.

Hast du gute Erinnerungen an das Schulessen?

Hier beziehe ich mich gern wieder auf den Linseneintopf. Natürlich gab es aber auch viele gute Gerichte in meiner Schule, zum Beispiel Buchteln mit Vanillesoße oder Hühnerkeulen. Solche Sachen habe ich sehr gern gegessen.

Wolltest du schon immer Koch werden? 

Es gab eine Zeit, da hatte ich mir eigentlich vorgestellt, einmal Lehrer für Geschichte zu werden. Das war aber nur eine kurze Periode, denn eigentlich war mir mein Weg schon vorbestimmt. Meine Eltern sind ihr Leben lang in der Gastronomie tätig gewesen, und so war natürlich auch ich von klein auf damit verbunden. Zudem gab es bei mir zu Hause nie Taschengeld, aber immer die Möglichkeit, etwas dazu zu verdienen. Das war dann eben meistens in dem Restaurant meiner Eltern, egal ob in der Küche oder handwerklich in oder um das Haus. Irgendwas gab es immer zu tun.

Wärst du manchmal lieber "nur" Koch ganz ohne den Starrummel?

Ich hätte manchmal gern mehr Zeit, um "nur" Koch zu sein. Denn wenn man drei Häuser gleichzeitig betreibt und große Events betreut, gibt es leider auch sehr viel neben dem eigentlichen Kochen zu tun. Aber ich habe ein tolles Team um mich herum, das unsere Philosophie genauso lebt wie ich. So fällt es mir nicht ganz so schwer, auch mal den Kochlöffel abzugeben und mich anderen Sachen zu widmen.

Verrätst du uns die Lieblingsgerichte deiner Kinder? Gibt es bei euch auch manchmal Fastfood? 

Das ist ganz unterschiedlich. Mein jüngster Sohn mag zum Beispiel sehr gern Forelle, am liebsten selbst gefangen. Meine Tochter legt eher Wert auf sehr bewusste Ernährung und mein großer Sohn liebt Entrecôte medium gebraten. Fastfood gibt es bei uns eigentlich nicht. Ab und an habe ich schon einmal angehalten und ein Eis gekauft, aber sonst haben meine Kinder es nie gewollt. Verboten habe ich es ihnen aber nie.

Was kannst du von deinen Kindern lernen?

Mein Jüngster sagt immer, dass ich mir beim Essen mehr Zeit lassen sollte. Ich esse sehr schnell. Das hat seinen Ursprung sicherlich in dem hektischen Umfeld der Restaurantküchen. Er hingegen nimmt sich alle Zeit der Welt, seinen Teller leer zu essen. Auch bestätigt das Kochen mit und für meine Kinder mich immer wieder darin, dass ein gutes Gericht nicht kompliziert sein muss. Es kommt auf die Zutaten an, die man verwendet. Dann ist leckeres Kochen kinderleicht.

Hast du einen ultimativen Tipp, wenn Kind eine neue Essensmarotte auspackt und zum Beispiel alles Grüne vom Teller verbannt?

Ich finde es wichtig, Kindern genau zu zeigen, woher die Zutaten und die Gewürze für unsere Speisen kommen. Ein Kind, das von Anfang an beim Kochen einbezogen wird, hat eine ganz andere Sicht auf das Essen, das am Ende auf seinem Teller landet. Es ist stolz darauf, was es gekocht hat und wird es mit Freude essen.

Kategorien: Essen gehen mit Kindern , Kaleidoskop , Stadtgespräch