Unterwegs mit Kind

Familienwanderungen bei den 2. Globetrotter Wandertagen

Kathrin Muysers (km) · 30.08.2018

Foto: Kathrin Muysers

Foto: Kathrin Muysers

Die Globetrotter Wandertage sind wie gemacht für Wander-Greenhorns

Raus in die Natur, bloß – wie geht das eigentlich? Wird man da schmutzig? Tut das weh? Gibt's da W-LAN? Das waren in etwa die Fragen, die wir als Familie uns immer dann stellten, wenn der Herbst nahte, die Blätter im Elbsandsteingebirge sich bunt färbten und wir den Ruf der Berge wohl vernahmen, es aber bis zum Wintereinbruch mal wieder nicht packten, für ein Wochenende der Stadt den Rücken zu kehren.

Dabei war es gar nicht so, dass wir dem Thema Outdoor grundsätzlich abgeneigt gewesen wären. Wir lieben es zum Beispiel, am Wochenende vor die Tür zu gehen – um dann mit zahllosen anderen Outdoor-Fans in der Globetrotter-Filiale vom Leben in der Natur zu träumen, während wir in der Zeltausstellung in die High-End-Tipis krabbeln oder die riesige „Rutsche“ im Laden hinuntersausen.

Die 1. Globetrotter Wandertage – Feuertaufe für Greenhorns

Als wir dann von den 1. Globetrotter Wandertagen erfuhren, war uns daher gleich klar, dass es jetzt keine Ausreden mehr geben konnte. Wir Wander-Greenhorns brauchten eine Feuertaufe.

Ausgangspunkt unseres Abenteuers war der Marktplatz in Bad Schandau, wo die verschiedenen Wanderungen gut ausgeschildert ihre Treffpunkte hatten. Die Startzeit, 11 Uhr, war schon mal familienfreundlich. Zunächst wurden wir vom Veranstalter mit „goodie bags“ und einem zünftigen Vesper ausgestattet. Dann nahm uns unser Wanderleiter, Herr Petrich, unter sein Fittiche. Nach einem kurzen Spaziergang durch Bad Schandau, bei dem wir die verschiedenen Hochwassermarkierungen ungläubig bestaunten, bestiegen wir die Buslinie 241, der uns zur Lichtenhainer Mühle, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung fuhr. Unser Ziel war der sogenannte Kuhstall und der Neue Wildenstein.

Von Mitmenschen und anderen Schwierigkeitsgraden

Die Gruppe bestand natürlich vornehmlich aus Familien, wobei wir sowohl das jüngste Familienmitglied (unsere Tochter mit knapp zweieinhalb) als auch das älteste (unseren Opa mit 79) stellten. Wie sich im Laufe der nächsten Stunden herausstellen sollte, war nicht der Schwierigkeitsgrad der Wanderung das Problem. Sondern, man glaubt es kaum, andere Menschen (Eltern!), die es für nötig befanden, sich über unseren Fünfjährigen zu mokieren – weil er die Frechheit besaß, interessiert Fragen zu stellen. Denn, wie jeder weiß: Kinder sollten gesehen, nicht gehört werden, richtig? Ironie beiseite: natürlich muss uns nicht jeder mögen, aber Lästern ist eine Kunst, und die Regel Nummer eins lautet ja wohl, es nicht in Hör- und Sichtweite derer zu tun, über die man sich pausenlos, also geschlagene fünf Stunden lang echauffiert.

Natur pur und das Gebot zur Ruhe

Das war und blieb zum Glück der einzige Wermutstropfen, und überdies einer, der nicht in der Hand des Ausrichters lag. Der Rest der Wanderung lief wirklich „wie geschmiert“. Unser Sohn freute sich über so ziemlich alles, vom sich ausbreitenden Drüsigen Springkraut mit seinen leuchtend pinken Blüten über umgestürzte Baumstämme, Käfer, Schnecken, bis hin zu kleinen Steintürmchen, die andere Wanderer aufgeschichtet hatten. Wider Erwarten mussten wir den Sohnemann nicht anspornen, sondern eher bremsen: meist rannte er mit Feuereifer vornweg. Immer wieder mussten wir ihm klar machen, dass wir in einem Naturschutzgebiet waren, wo wir quasi nur zu Gast waren und uns entsprechend leise und rücsichtsvoll verhalten sollten. Und während die Kleine selig in ihrer Kraxe auf Papas Rücken schlummerte, war es der Opa, dem die ungewohnte Anstrengung doch einiges an Disziplin abverlangte.
Über die „Himmelsleiter“ den Wolken ein Stück näher

Der zweifelsohne spannendste Moment ereignete sich, als wir beim Anstieg zum neuen Wildenstein eine Felsschlucht auf gefühlt hunderten (tatsächlich wohl 108), gerade mal Zwei-Fuß-breiten Metallstufen hinanstiegen. Da hatte nicht nur unser Opa mit aufkommender Höhenangst zu kämpfen. Auch ein älteres Mädchen bekam Muffensausen, so dass sie nach kurzem umkehren wollte. Was auf dieser besonderen Einbahnstraße einiges an Akrobatik verlangte, denn Platz zum Ausweichen gibt es kaum. Unser Tipp an andere Familien lautet daher: zwingt Eure Kinder im Eifer der Gipfeljagd zu nichts, was ihnen den Spaß am Wandern vergällt. Es gibt auch unten, auf Höhe des Kuhstalls, genügend Abenteuer, zum Beispiel die „Krumme Karoline“, ein Felslabyrinth, dessen Eingang nur im Kriechgang erkunde werden kann. Für alle Anderen war die „Himmelsleiter“ eine kleine Mutprobe, die einem schon einiges Kitzeln in der Bauchgegend bescherte.

Gipfelglück für kurze Beinchen

Oben angekommen, war es endlich Zeit für unser wohlverdientes Vesper. Appetit und Aussicht trugen zu unvergleichlichem Gipfelglück bei. Die Stadt und der Alltag waren weit weg. Nach einigem Verweilen traten wir über eine andere Route, als auf dem Herweg den Rückweg an. Zum Abschluss bedankten wir uns bei unserem Wanderleiter, der uns allzeit umsichtig geführt hatte.

Mit der Taschenlampe zu den 2. Globetrotter Wandertagen

Zu behaupten, dass wir seither zu Oberboofern geworden sind, wäre gelogen. Aber immerhin einmal trauten wir uns seither auf eigene Faust für ein langes Wochenende in die Sächsische Schweiz. Ausgestattet mit der schönen, handgezeichneten Wanderkarte aus dem Verlag Rolf Böhm sowie den schicken Emaillebechern, die seinerzeit im Globetrotter-Mitgebsel enthalten waren. ;)

Nicht mehr lange, bis es wieder soweit ist: dann finden die 2. Globetrotter Wandertage statt. Wir hoffen, wieder dabei zu sein, um diesmal mit der Taschenlampe die Höhlen am Kleinhennersdorfer Stein zu entdecken.

 

Die diesjährigen Familienwanderungen (Nummer 10, 20, 21, 30) sind unter www.globetrotter.de beschrieben und auch gleich buchbar.

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